Oriental Blog Teil 3

Dubai

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Ohne Zweifel das touristische Zentrum der letzten Jahre! Futuristische Bauten strecken sich dem Himmel entgegen, umgeben von endloser Wüste, es dominieren Palmen und ins Auge stechen aufgeschüttete Inseln für Superreiche. Doch damit noch lange nicht genug. Bei 45 Grad Celsius Außentemperatur Skifahren oder Eislaufen, das Höchste, Größte oder Längste – keine Sorge Dubai macht es möglich. Auch nach der Wirtschaftskrise 2009 konnte sich das Emirat erholen und machte weiter wie zuvor – als Zentrum und Ausgangspunkt für den Tourismus im Nahen Osten, als Handelsmetropole und Finanzmacht und Dubai ist damit bedeutender als die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate Abu Dhabi. Ich weiß nicht, ob das noch immer so stimmt. Man weiß ja, dass es lange dauert, um von einem einmal installierten Image runter zu kommen – sowohl im Positiven als auch im Negativen. Sicherlich Dubai hat was – keine Frage! Aber die anderen Emirate holen auf und punkten ebenfalls zusehends! Manchmal ist weniger mehr! Mit Superlativen ist es möglich viele Touristen ins Land zu ziehen, doch reicht das nicht immer aus, die Menschen auch von der Stadt zu begeistern. Ich finde diese Superlativen auf der einen Seite unglaublich beeindruckend, auf der anderen Seite auch wieder dekadent.

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Inmitten der Dubai Mall mit mehr als 1.200 Geschäften und Boutiquen, der eher gehobenen Klasse, auch ein Aquarium zu bauen mit 33.000 Tieren, und ich weiß nicht wie vielen Millionen Liter Wasser hinter Zentimeter dicken Scheiben, einem begehbaren Tunnel mit einem Dutzend zähnefletschender Haie, einem Unterwasserzoo mit drei verschiedenen Ökosystemen, ist mehr als ungewöhnlich. Das Eislaufstadion in der Mall hat Olympiamaße, ein Wasserfall, der beleuchtet wird und magische Wirkung erzeugt, stürzt sich über mehrere Etagen durch die Mall hinab und nicht zu vergessen der Souq mit edelsten Geschäften und einer Kamelmilch Bar.

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Direkt davor die Dubai Fountain. Hier tanzen Brunnen nach einer Choreografie zu musikalischen Werken aus der ganzen Welt vor der Kulisse des höchsten Gebäudes der Welt – dem Burj Khalifa mit einer Höhe von 828 Meter. Nach nur sechs Jahren Arbeitszeit in die Höhe gezogen!

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Allerdings der sehr bittere Beigeschmack, der mir diese Superlativen verleidet – bis zu 13.000 Arbeiter malochten Tag und Nacht! Wir alle haben um die Um- und Zustände der Arbeiter aus Pakistan, Indien, Nepal und Bangladesch in Katar gehört, und ich glaube nicht, dass es hier anders war. Ich habe mich mit einem Taxifahrer unterhalten. Es ist Taxifahrern nicht gestattet die Familie ins Land zu holen. Sie arbeiten zwölf Stunden, übergeben das Taxi einem Kollegen, der dann ebenfalls zwölf Stunden fährt. Sieben Tage die Woche, über Monate, bevor sie für zwei Monate die Familien besuchen. Sie wohnen zu zweit in einem Zimmer, denn es ist ja sowieso immer nur einer zuhause. Insofern relativieren sich diese Angeber Projekte für mich.

Das Burj Al Arab, das Wahrzeichen Dubais über Jahre, auf einer Insel errichtet mit einem Foyer so groß, dass die Freiheitsstatue darin Platz hätte, vergoldeten Säulen und Suiten so groß wie nicht einmal manches Kinderheim, die dann auch noch 8.000 US$ pro Nacht kosten – ohne Frühstück, denn wer so logiert kann sich natürlich auch noch das Frühstück leisten. Touristische Besucher müssen sich entweder zur klassischen Tea Time anmelden und eine Anmeldung in der Hand haben, sonst werden sie gar nicht auf die Insel gelassen. Allerdings kommen Scheichs hierher, um mal eben eine Erdbeermilch mit einer der Liebsten zu trinken. Also, wer einmal einen echten Scheich aus der Nähe sehen möchte, das Burj macht‘s möglich.

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Ich habe mir Shindagha Heritage angeschaut. Das Viertel gehört zu den ältesten Gegenden Dubais, liegt direkt am Creek und bietet sich für einen ruhigen Abend mit Spaziergang auf der gepflasterten Promenade und einer Shisha in einem der Restaurants geradezu an. Hier befindet sich unter den 32 traditionellen Häusern das Haus des Sheikh Saeed al-Maktoum, sozusagen das Tüpfelchen auf dem I. Wie die anderen Häuser in diesem Stadtteil wurde es aufwändig restauriert und ist jetzt als Museum zugänglich. Es war die offizielle Residenz des Scheichs bis 1958. Er war der Urgroßvater des gerade amtierenden Scheichs von Dubai. In den Räumen werden Fotografien aus der Zeit vor dem Ölboom gezeigt. Dubai ohne Hochhäuser mit nur einigen Hütten und niedrigen Gebäuden im Sand – sehr interessant. Die Windtürme, die überaus kunstvollen Holzschnitzereien an Türen und Fenstern, die Balkone und der großzügige Innenhof demonstrieren noch heute die einmalige Pracht, mit der man den Ölboom auskostete.

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Das älteste Viertel ist der Stadtteil Bastakiya. In den mehrstöckigen aus Korallenkalkstein und Muschelkalk errichteten Häusern wohnten bis ins 20. Jahrhundert hinein wohlhabende Kaufmannsfamilien aus Persien und Indien. Auch hier findet man die außergewöhnlichen Schnitzereien an den Holztüren und Fenstergittern. Die Windtürme auf den Dächern funktionieren noch immer und leiten die Winde, um die Räume bzw. den Innenhof zu kühlen. So überholt sind diese Windtürme nicht. Sie erleben, gerade in den ländlichen Gebieten eine Renaissance, nachdem auch hier die Energie nicht mehr so billig oder gar ganz kostenlos ist.

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Der Gold Souq ein Anziehungsmagnet für Touristen aus aller Welt – mit und ohne dem nötigen Kreditvolumen. Es ist ein Erlebnis sich kurz nach Sonnenuntergang hier aufzuhalten und die Damen in ihren schwarzen Abayas aus riesigen Limousinen aussteigen zu sehen. Sie verschwinden dann in einem der Geschäfte, um die Kreditkarte eines der Scheichs zum Glühen zu bringen. 300 Tonnen Gold werden jährlich von den VAE importiert, das sind mehr alles 10 % der Weltproduktion. Ist Dubai doch eine Goldgrube? Bestimmt nur für eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Weder die vielen Wanderarbeiter bzw. Gastarbeiter noch die Nicht-Scheichs können sich das meiste der gezeigten Goldstücke – Kleider oder Röcke, riesige Ketten, Diademe oder kiloschwere Gürtel – leisten.

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Der Wandel in der arabischen Welt ging für viele zu schnell von statten. Noch heute leben Emiratis die sich mit einem Esel auf den mühsamen Weg über Sandpisten zur Hauptstadt machen mussten. Bildung war einigen wenigen vorbehalten, die Kindersterblichkeit war hoch, die Lebenserwartung in der drückenden Hitze ohne Klimaanlagen und ausreichender Ernährung entsprechend kurz.

Und heute? Kein Jahrhundert später ist das Land – egal welches der Arabischen Emirate – nicht wieder zu erkennen. Erfolg, Geld, Pracht, Prunk in Form von Hochhäusern der Superlative, begrünte Autobahnen führen durch die Wüste und verbinden die Städte, Springbrunnen, die Tag und Nacht ihre Wasserspielchen treiben und künstlich angelegte Megastrände.

Wo sind die Traditionen geblieben, die den Menschen so viel bedeuteten?

Das Leben der Beduinen, ist es jetzt endgültig überflüssig?

All die Menschen, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden – denn Öl regiert die Welt! Sie vermissen ihr ruhiges ländliches Leben. Andere, die in entfernten Gegenden wohnen, fühlen sich vergessen von den segensreichen Neuerungen. Die vielen Gastarbeiter, die ins Land gelockt wurden, spüren nun deutlich die Ablehnung und man würde sie am liebsten in der Versenkung verschwinden lassen. Stören sie doch das einheitlich saubere Bild eines stolzen und reichen Volkes!

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Wir im Westen sehen die Entwicklung der Golfstaaten aus der Sicht der Ölförderung – siehe die neuste Entwicklung des Ölpreises – doch darüber ist man sich in diesen Ländern schon längst bewusst. Der Zenit ist überschritten und die Wirtschaft wird schon seit einigen Jahren auf andere Beine gestellt. Der Tourismus spielt eine nicht unerhebliche Rolle – man öffnet sich, Moscheen dürfen auch von Nicht-Muslimen besucht und besichtig werden, es gibt mehr und mehr Restaurants, die Alkohol ausschenken, die einheimischen Frauen lassen ihre Schleier fallen und sitzen mit Freundinnen in Cafés, was bis vor wenigen Jahren ausschließlich der Männergesellschaft vorbehalten war. Handelsbeziehungen werden ausgebaut, was auf Grund der Lage mehr als günstig ist. Bilden diese Länder einen Riegel zwischen Ost und West! Zudem versucht man ausländische Unternehmen mit ins Boot zu holen. Das jedoch gestaltet sich nicht ganz so einfach. Warum sollen Unternehmen aus aller Welt die Bevölkerung ausbilden, die sie, sobald sie das nötige Know-How besitzen aus dem Land expedieren werden? Denn die Bildung ist nicht ebenso kongruent in die Höhe geschnellt wie die schwarzen Zahlen auf dem Konto. Die Bildungssysteme in den Ländern – eine Ausnahme ist der Oman – liegt im Argen. Aus der Sicht der Menschen, die sich alles leisten können, verständlich. Warum sollen sie lernen oder Zusammenhänge verstehen lernen, sich mühen, wenn sie sich jeden Wunsch erfüllen können? Kinder lernen von den Eltern. Also wächst eine weitere nicht ausgebildete Generation heran. Schon wieder müssen Ausländer her und die Zweiklassengesellschaft bleibt bestehen. Grundnahrung für Unruhen, Unzufriedenheit, Fremdenfeindlichkeit und Instabilität. Es dauert ein zwei Generationen bis aufgrund eines guten Bildungssystems auch ein verbessertes Bildungsniveau der Bevölkerung zur Verfügung steht. Die Devise auch hier – nicht nur in den Entwicklungsländern der Erde – Helft euch selbst und schickt euren Nachwuchs in die Schule. Lasst die Kinder lernen und verstehen! Nur wenn die nachfolgenden Generationen ihr Hirn einschalten und sich nicht alles diktieren lassen und an den alten, verkleisterten Traditionen hängen bleiben, gibt es Entwicklung, Fortschritt und Evolution!

Jetzt bin ich ganz von den Sehenswürdigkeiten Dubai abgekommen.

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Egal, wie man zu diesem Gebäude steht, der Burj Khalifa mit seinen 828 Meter Höhe ist ein imposantes Gebäude und die Lösung all der Herausforderungen durch die Architekten und Ingenieure bewundernswert. Die Aussichtsplattform in der 124. Etage (in 442 Meter Höhe) ist ein „Muss“ für all diejenigen, die einmal auf all die Wolkenkratzer herabsehen möchten. At the Top wird man mit einem Aufzug katapultiert, der zehn Meter pro Sekunde zurücklegt. Die Eintrittskarte gilt für einen bestimmten Zeitpunkt und sollte auf jeden Fall via Internet im Voraus bestellt werden. Kostenpunkt direkt vor Ort: 250 US$ pro Person!

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Ich war auch in der Dragoon Mall – wie der Name schon sagt was Chinesisches. Im Prinzip China City, etwa 35 Minuten Taxifahrt in die Wüste. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Auf einer Strecke von sieben Kilometern und einer Breite von etwa einem Kilometer gibt es alles – und damit meine ich wirklich alles. Vom Rasenmäher über Scharniere, Safes oder Schubladengriffe, aber in Edelversionen, bis hin zu Haarspängchen im One Euro Format, Hochzeitskleidern, Kacheln und Toilettenschüsseln. Unglaublich – wir waren so gegen Mittag da und es machte zunächst den Anschein, als würden viele Geschäfte, trotz aller Zusagen, doch am Freitag (dem muslimischen Sonntag) geschlossen bleiben. Doch nachdem wir im Food Court, einer richtigen Straße mit bestimmt 20 Restaurants, Cafés etc., nach sieben Kilometer Fußmarsch, eine Pause eingelegt hatten und uns wieder auf den Rückweg machten, spielte sich ein ganz anderer Film vor unseren Augen ab. Alle Geschäfte und auch die kleinen Stände zwischendrin waren geöffnet. Es herrschte totale Betriebsamkeit – überall Menschen, Menschen jeder Hautfarbe. Das ist es, was den Orient ausmacht. Er ist unglaublich bunt! Es laufen keineswegs nur Frauen in schwarzen Abayas herum – im Gegenteil, ich habe das Gefühl es werden immer weniger, die sich total verhüllen – oder Männer in weißen Kashdashs. In dieser Region leben Menschen aus 136 Ländern – Inder, Nepalesen, Bangladeshi, Pakistani, Europäer, Afrikaner, Indonesier …… Und es ist auch nicht so, wie man uns immer glauben machen will, dass die Moslems andere Religionen nicht akzeptieren. Überall gibt es solche, die mit Neuerungen nichts zu tun haben wollen. Ist es nicht auch bei uns so? Ich denke dabei nur an die Katholische Kirche und ihre Oberhäupter, die die verkneisteten Strukturen auf keinen Fall ändern wollen – ja noch nicht einmal ans Überdenken denken. Stellt Euch vor, das Ausland würde uns alle über einen Kamm scheren und so über Dich und mich denken. Mir gefiele das nicht!

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Ich bin nicht so wie die beiden Omas, die gestern Abend mit mir am Tisch saßen. Jeder zweite Satz war: „Das war früher nicht so!“ bzw „Auf dem anderen Schiff war das aber anders!“ „Da war es besser!“ „Ich finde das unverschämt!“ und sich dann aber ein Glas Wein oder Wasser aus dem Restaurant mitnehmen (da kostet es nichts), damit sie in der Show nichts mehr bestellen müssen. Oder sich beim Frühstück die mitgebrachte Flasche mit Orangensaft füllen! Geiz ist ja sooooo geil!

Ich kann auch nicht verstehen, wie zwei Omas – irgendwo vom Dorf – auf die Idee kommen können auf ein Schiff wie dieses zu gehen. Welches Reisebüro hat sie so bescheuert beraten? Übers Internet haben die beiden unter Garantie nicht gebucht – vielleicht noch über eine Anzeige, weil die restlichen Kabinen billig billig rausgehauen wurden. Informiert wie es auf dem Schiff, mit dem sie reisen werden, aussieht, haben sie auf gar keinen Fall. Ja, sie haben noch nicht mal eine Vorstellung gehabt in welchem Erdteil sie sich befinden.

„Ein Vortrag über Oman?“ „Na, das interessiert doch nicht wirklich!“

Häääääähhhh?

Warum sind sie auf dem Schiff, wenn ihnen nichts, was angeboten wird gefällt oder zu teuer ist und sie auch nicht wirklich an den angelaufenen Zielen interessiert sind? Aber so sind sie eben die Touristen von heute und gestern. Die Alten nicht besser als die jungen, dynamischen! Ich stelle mir die beiden Omas gerade vor, wie sie sich anstellen zum Begrüßungssekt, den der Kapitän ausgibt. Für genau zehn Minuten – so auch im Tagesprogramm angegeben – kann sich jeder Gast, sofern er denn bei mehr als 2.000 anstürmenden Gästen bis zur Theke vordringt, mit einem Glas Sekt in den verschiedensten Farben versorgen. Wenn man dann etwas abseits steht – ohne Sekt – kann man echt was lernen! Die Paare und Familien stürmen los, jeder an einen anderen Bereich der Theke. Nachher demonstrieren sie ihren Fang und ermitteln den Gewinner mit den meisten ergatterten Sektgläsern. Grässlich!

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Es scheint tatsächlich bei einigen so zu sein, dass sie eine Kreuzfahrt machen, um dazu zu gehören. Entweder ist es ein Superangebot und/oder es werden die letzten Ersparnisse zusammen gekratzt. Dann ist natürlich nichts mehr übrig für Ausflüge, dann stiefelt der Gast lieber alleine einfach so durch die Gegend, findet die Sehenswürdigkeiten nicht, weil er nicht in der Lage ist einen Stadtplan zu lesen und in Städten wie diesen die Distanzen einfach zu groß sind. Ein Taxis – nein da werden lieber vier Kilometer durch langweiliges Hafengelände zurückgelegt, um drei Euro zu sparen. Vor dem Hafentor stellt man dann fest, dass es ja noch mindestens 18 Kilometer bis zum Burj al-Arab sind. Da wollte man nicht rein, nein wenigstens einmal anschauen und davor gestanden haben, und danach einen Spaziergang über die im Meer aufgeschüttete „Palminsel“ machen! Manche wissen wirklich nicht wo sie hingeflogen sind und mir wird immer klarer, dass es einigen egal ist wo sie sind, und wenn sie nichts von den Sehenswürdigkeiten mitbekommen. Die Menschen oder die Kulturen sind ihnen erst recht egal.

 

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Oriental Blog Teil 2

Manama / Bahrain

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Flagge Bahrains

Ich kann dazu nur sagen: „Auf! Los lasst uns die Gegend erkunden!“ Als Startpunkt empfehle ich das Nationalmuseum in Manama – hier sammeln wir die ersten Eindrücke des alten, traditionellen und des neuen, hochmodernen Bahrains. Alle Ausstellungsstücke sind beschriftet und zeigen die Sehenswürdigkeiten des Landes – von den archäologischen Funden des antiken Dilmun über die Hügelgräber in Al’Ali bis zur zeitgenössischen Kunst und Bildhauerei. Selbst wenn man kein Museumsliebhaber ist, sollte man hier nicht die Nase rümpfen und vorbei gehen. Für den eiligen Besucher reichen zwanzig Minuten, um einen wertvollen Überblick zu bekommen.

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National Museum in Manama

Auch in Manama, was übersetzt Schlafplatz bedeutet, ist die Al-Fatih-Moschee für Nichtmuslime geöffnet. Es ist das größte Gebäude des Landes, bietet Platz für 7.000 Gläubige und wurde 1984 auf dem Meer abgetrotzten Geländes gebaut. Das ist überhaupt eines der Wahrzeichen des Landes, mehr noch als in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder den anderen Golfstaaten. Bahrain ist eine kleine Insel und scheint aus allen Nähten zu platzen. Von daher wird überall Land aufgeschüttet und bebaut. Ich mag gar nicht an den Anstieg des Meeresspiegels denken! Das ganze Land ist flach und liegt wenige Meter oberhalb des Meeresspiegels.

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Al-Fatih Moschee

Es gibt im Süden, bei den Ölfeldern, einen 138 Meter hohen Berg, der mittlerweile „geschützt“ ist und nicht mehr betreten werden darf, denn er zerbröselt zusehends. Öl wurde in Bahrain schon 1932 entdeckt. Die Regierung holte einen Forscher aus Neuseeland, der den Auftrag hatte nach Wasser zu suchen. Er fand dann die erste Ölquelle des Landes, die inzwischen nichts mehr fördert, doch begann damit der Reichtum, und das nicht nur für die Bahrainer – die anderen Golfstaaten zogen nach und förderten nur 30 Jahre später. Zurzeit wurden 200 Milliarden US$ zur Verfügung gestellt, um neue Öl- bzw. Erdgasfelder zu erschließen. Gleichzeitig will der König von Bahrain Scheich Hamad bin Isa al Khalifa Alternativen zum Erdöl auftun. Schon jetzt ist Manama ein Offshore Finanzplatz und Handelsmarkt mit einem Ausländeranteil von 50 Prozent. Die Bahrainer sitzen in den Entscheidungsgremien und halten die meisten Führungspositionen, die Arbeit erledigen Gastarbeiter aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal, aber auch Amerika, Großbritannien, Deutschland oder den Niederlanden. Der Vorteil hier zu arbeiten – Steuerfreiheit! – was natürlich sehr attraktiv ist. Doch Vorsicht – mit dem Erreichen des 60sten Lebensjahres müssen Ausländer das Land verlassen.

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Innenansicht der Moschee

Trotz eines Islamischen Landes ist die Toleranz Andersgläubigen gegenüber sehr groß – im Prinzip normal. All die oben genannten Ausländer haben ihre eigenen Privatschulen und dementsprechend auch die Möglichkeit die eigene Religion ohne Einschränkungen auszuüben, solange der Landesfrieden nicht gestört wird.

Was den Frieden stört, entscheidet der Emir, der sich 2002 selbst zum König ernannt hat. Die Menschenrechtsaktivisten, die 2011 auf den Plan kamen, haben den König stark kritisiert und so auch in den Fokus der westlichen Welt gebracht. Während des arabischen Frühlings kam es auch in Bahrain zu Unruhen – ein selbsternannter König, der als Sunnit eine Schiitische Bevölkerung regiert und eine sehr langsame politische Entwicklung, die immer wieder die unteren Schichten übergeht. Hinzu kommen auch hier „Gehirngewaschene Extremisten“, die die Zustände des Mittelalters wieder aufleben lassen möchten. Von wem geschickt bzw. finanziert, dazu möchte ich mich nicht äußern, denn das wären nur Vermutungen. Aber sie sind es die die Autobahnen mit brennenden Reifen blockieren und so Unruhe stiften.

Die von Isa al-Khalifa installierte vielseitige Wirtschaft und Stabilität drohte zu zerbrechen, denn auch der internationale Tourismus erlebte aufgrund dieser Unruhen, die blutig beendet wurden, erheblichen Einbruch. Leider werden wir immer wieder von der Presse nur mit Bruchstücken oder einseitiger Berichterstattung aufgeklärt. Nichts, aber auch gar nichts, kann die persönliche Inaugenscheinnahme und das Gespräch mit Einheimischen ersetzen! Ich glaube nicht einmal mehr die Hälfte dessen, was man uns glauben machen will.

 

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Opernhaus in Manama

Der regionale Tourismus spielt weiterhin eine extrem wichtige Rolle und ist ein nicht außeracht zu lassender wirtschaftlicher Faktor. Die Saudis genießen regelmäßig die relative Toleranz und die Freiheiten des sozialen Verhaltens. Ein 26 Kilometer langer Straßendamm, der King Fahad Causeway, verbindet Bahrain und Saudi Arabien. Komplett von den Saudis finanziert und regelmäßig von Angehörigen beider Staaten genutzt. Wobei die Zwecke des Besuches unterschiedlicher nicht sein können. Die Bahrainer fahren zum Arbeiten über den Damm und kommen abends gerne wieder zurück.

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Wer will schon dahin?

Die Saudis überqueren den Damm zu 99 Prozent mit Vergnügungsabsichten! Frauen, die in Saudi Arabien ja nicht einmal hinter dem Steuer sitzen dürfen, lassen sich nach Manama bringen, um dort den Führerschein zu machen. Anschließend kommen sie mit Freundinnen, leihen ein Auto und machen Ausflüge – auch in eine der vielen Shopping Malls oder in einen der Wasserparks bzw. SPAs, die aufgrund der hohen Nachfrage Mittwoch „Frauentag“ haben. In der Stadt gibt es mehr als 40 Kinos, die Filme aus allen Ländern und Genres zeigen – Hollywood, Bollywood, Mord und Totschlag, Action, Thriller, Liebe, Lust und Leidenschaft! Was ist das für eine verlogene Gesellschaft. In den vielen Hotels, die sich an der Küste von Manama wie Perlen aufreihen, gibt es „Frauen Etagen“. Und wer jetzt denkt, dass sei für Alleinreisende Frauen und sich dort einmietet, wird sehr unruhige Nächte haben. Das sind Etagen, in denen Frauen arbeiten. Die Saudis kommen auch mal nur für kurz, um hier das Ausleben zu können, was Allah verboten hat. Der wird anscheinend nicht über den Damm gelassen! Auch wird überall öffentlich Alkohol ausgeschenkt – ein weiteres Anliegen der Saudis. In meinen Augen sind diese großen Teile der Stadt nichts anderes, als das Rotlichtviertel Saudi Arabiens. So schlecht kann diese Lebensweise aber doch nicht sein, denn die königliche Familie Saudi Arabiens und alle anderen, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder zur Ausbildung in eine amerikanische Schule in Manama. Da bringt man schon der Jugend bei, dass die manche gleicher sind.

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Bahrain Fort

Es gibt noch so viel zu berichten über das „kleine Bahrain“, dessen Hauptinsel gerade mal 68 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 14 Kilometer breit ist. Insgesamt gehören 33 Inseln zu diesem Königreich, wovon nur drei bewohnt bzw. bebaut sind. Die größte Insel, auf der Manama liegt, Sitra, die Insel auf der gearbeitet wird und Muharraq, der Ursprung mit einigen interessanten historischen Bauten, einem Fort, vielen Dhaus und einem vertikalen Garten, der den Eingang in die ehemalige Altstadt markiert. Der Garten, in dem 200 Pflanzen wachsen, wurde von einem Franzosen geschaffen und wie ein lebendes Labor ist. In Muharraq befindet sich der „Perlenweg“, ein etwas mehr als drei Kilometer langer Spazierweg, der die Entwicklung der Perlenfischerei Bahrains erläutert und an wunderschönen alten, teilweise wieder restaurierten, Häusern vorbei führt. Endlich hat man auch hier begriffen, dass nicht alles was alt ist, weg muss und dem so hoch gepriesenen Fortschritt weichen muss. Denn der internationale Tourismus, der wieder ins Land geholt werden soll, ist eher an solchen Sehenswürdigkeiten interessiert.

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Bahrain Fort

Bahrain ist übrigens das einzige Land im Persischen Golf, das ausschließlich natürliche Perlen verkauft – keine Zuchtperlen! Seit mehr als 5.000 Jahren werden in den Gewässern vor der Küste Perlen gefischt. Anfangs tauchten Männer, lediglich mit einer Nasenklammer und einem Messer bewaffnet in die haiverseuchten Gewässer. Sie hatten Gewichte an den Füssen und wurden von den sogenannten Schleppern wieder nach oben gezogen – in den Hochzeiten befanden sich mehr als 2.000 Dhaus auf dem Wasser – entsprechend hoch war die Todesrate unter den Perlenfischern. Der immer noch vorhandene Glanz und Reichtum zeigt sich an der Formel-1-Strecke, dem Baby des Thronfolgers. Auch hier wurde nicht gespart – eher geklotzt – und das Besondere. Die Rennen finden in Bahrain nachts statt. Irgendwie müssen sich die Reichen doch voneinander abheben, sonst würde das normale Volk sie gar nicht unterscheiden können.

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Formel 1 Rennstrecke

Oriental Blog

Gerne würde ich den Blog weiter führen, was jedoch bei dem lahmen, momentan zur Verfügung stehenden Internet eine Zumutung ist. Es dauert Stunden ein Bild hochzuladen, und selbst beim Text bricht die Verbindung immer wieder ab.DSC01278

Also kommt die Information wie es mir denn so erging einfach später – und wenn Ihr das jetzt lest, bin ich schon wieder auf dem nächsten Trip unterwegs. Da weiß ich, dass die Verbindung besser funktioniert, bzw. auf dem Schiff darf ich morgens, wenn alle noch schlummern, an den Rechner einer Kollegin.

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Wie aus der Überschrift zu entnehmen ist, bin ich im Orient! Auf der Route wird Muscat im Oman, Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Manama auf der Insel Bahrain angefahren – ein Blick über den Tellerrand in eine uns doch mehr oder weniger fremde Welt. Viele Besucher glauben, ob des Reichtums dieser Länder zumindest in den Metropolen sich verhalten zu können und dürfen wie zuhause. Sofort muss ich an meinen allgemein gültigen Spruch denken: „Wenn Sie wollen, dass es so ist wie zu Hause, warum geben Sie so viel Geld aus, nehmen lange Flüge in Kauf und reisen überhaupt?“

Schon allein der fünfmal täglich weit hörbare Ruf zum Gebet, die eher sommerlichen Temperaturen, die einheitliche Kleidung und der andersartige Geruch, hervorgerufen von allgegenwärtigen Shishas und den Parfumölen, erzeugt bei mir sofort ein Gefühl der Andersartigkeit. Und dann muss ich mich nur umschauen – rund herum Wüste! Wie kann jemand denken, es ist wie zu Hause? Oder sich wundern, dass es anders ist als daheim?

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Wüste bedeutet für einen bildungsfernen Touristen heiß! Zumindest warm – also kurze Hosen, Achselshirt, kleine enge Röckchen und T-Shirts mit Spaghettiträgern. Das gilt gleichermaßen für Menschen aller Kleidergrößen – sprich von Größe 36, wo es ja noch optisch reizvoll ist, bis hin zu ÜberÜberÜbergrößen á la Einmannzelt. Bei jeder Ausflugspräsentation und im Tagesprogramm wird darauf hingewiesen, dass ein Besuch in der Moschee nur möglich ist, wenn bei Frauen die Handgelenke und die Knöchel bedeckt sind, die Kleidung nicht durchsichtig ist und nicht weiß, die Haare mit einem Kopftuch bedeckt sind, Männern sollen keine Flip Flops und keine kurzen Hosen tragen und die Schultern bedecken. An der Sheikh Zayed Grand Moschee darf man noch nicht einmal aus dem Bus steigen, wenn man die Kleiderordnung nicht beachtet hat. Trotzdem sind dann Gäste quasi unbekleidet unterwegs und wundern sich, dass sie nicht in die Moschee dürfen. Noch schlimmer, sie fangen an zu zetern und schimpfen, wobei die Begriffe Rassismus und Vorurteile in den Raum geworfen werden. Wie blöd muss man sein, dass Frau oder Mann auf Reisen in den arabischen Raum geht, ohne sich darüber im Klaren sein, dass ich auf eine andere Kultur treffe, als im Schwarzwald oder am Wörtersee, die Einheimischen aber alle für Strauchdiebe, Langfinger und Kriminelle halte? Der Rucksack wird vor den Bauch geschnallt und die Handtasche krampfhaft umklammert. Als ob ein Emirati oder Bewohner des Omans, die es noch nicht einmal nötig haben zu arbeiten, sich dafür interessiert, was ein Deutscher Tourist in seiner Handtasche mit sich rumträgt. Wenn es denn nur eine Handtasche wäre! Ich frage mich täglich, warum man bei einer Stadtbesichtigung einen Rucksack und Wanderschuhe braucht – sich dann aber nicht einmal ein Kopftuch im prallen Rucksack befindet.

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Sicherlich liegt das Erkennen bzw. das Wissen um die Andersartigkeit auch an den Interessen, der Aufnahmefähigkeiten und Aufnahmebereitschaften der einzelnen Besucher. In den internationalen marmorverkleideten Einkaufszentren sind die gleichen Logos zu finden wie in der Heimat, im Angebot westliche, vertraute Produkte und die Damen, die sich hier aufhalten tragen oftmals die neuste westliche Kleidung, manchmal eben mit Kopftuch. Doch auch das ist ja inzwischen ein gewohnter Anblick für viele von uns. Was dann jedoch ins Auge stechen sollte, sind zum einen die Preise und auch, dass nirgendwo alkoholische Getränke angeboten werden. Das Leben in all den Ländern des persisch-arabischen Golfes ist noch immer so, wie es früher einmal auch einmal bei uns war – die Häuser und Autos müssen nicht abgeschlossen werden, Kinder können ohne Gefahr auch alleine in den Parks spielen und mit Fremden sprechen. Es herrscht eine offene, freundliche, sichere und tolerante Atmosphäre. Allerdings müsste man erst einmal bereit sein, so etwas zu spüren, zu erkennen und sich darauf einlassen. Doch der vorherrschende Gedanke ist – überall böse Ausländer! Die denken nicht so wie ich – „Gott sei dank!“ sage ich nur dazu – also kann das nix sein! Die deutschen Touristen sind in den meisten Fällen sogar zu geizig, sich ein Taxi zu nehmen, um schneller und weiter voranzukommen, was in Städten wie Dubai oder Abu Dhabi, deren Häfen wirklich weit entfernt von den Sehenswürdigkeiten sind oder deren Sehenswürdigkeiten weit auseinander liegen, sehr vorteilhaft ist. Da warten sie lieber eine Stunde auf den kostenfreien Shuttlebus oder nehmen den öffentlichen Bus (wo sie umgerechnet € 2.50 sparen), der eine halbe Stunde länger braucht und keinen verlässlichen Fahrplan hat, der fährt, wenn er voll ist! Aber damit gibt es ja wieder Stoff sich über die unmöglichen Zustände zu echauffieren und die Vorurteile zu festigen. Wie weit kommt man bei uns mit einem Taxi für etwa € 5? Hier fährt man mehr als 10 Kilometer weit durch den dichten Verkehr in der Stadt. Andere öffentliche Verkehrsmittel gibt es kaum – Sammeltaxis noch in die Vororte und den Sightseeing Bus (mehr als 50 EURO pro Person für ein Tagesticket). Da kann man mit zwei Personen aber viel Taxi fahren!

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Ich bin mehrfach spät abends in den Metropolen – auch durch Parkanlagen gelaufen – und nicht ein einziges Mal angemacht oder in irgendeiner Form belästigt worden. Begegnet bin ich Männern wie Frauen, westlich und traditionell gekleidet, Joggern, Fahrrad fahrenden Jugendlichen und Geschäftsleuten.

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Die Anzahl der in diesen Staaten lebenden Ausländer ist oftmals höher als die der Einheimischen. Eine richtig multikulturelle Gesellschaft – eine Chance und eine Herausforderung – was auch als solche wahrgenommen wird. Moslems wünschen Christen ein Frohes Weihnachtsfest und laden gerne Ausländer zu ihren Feierlichkeiten ein. Von Scheich-/Emir- oder Königseite gibt es in jedem dieser Länder (Ausnahme Saudi Arabien) mindestens eine Moschee, die auch Nicht-Moslems zugänglich ist, es gibt Organisationen, die Führungen durch die Moscheen veranstalten und gerne Fragen beantworten. Wunsch der Regierungen ist es, den Glauben besser verständlich zu machen, zu öffnen und die Vorurteile aufzulösen und für gegenseitigen Respekt und Toleranz zu werben. Daraus kann jeder lernen, dass es auch einen anderen Blick auf Politik und Religion in der arabischen Welt gibt, den westliche Medien selten oder kaum zeigen – für mich eine wertvolle Erfahrung. Der moderne Islam ist durchaus anpassungsfähig und überdenkt die Tausend Jahre alten Vorgaben, während die Fanatiker weiterhin die mittelalterlichen Vorschriften des Korans noch verknöcherter auslegen. Wir haben die Hexenverbrennungen im „Namen des Herrn“, die die Berechtigungen gaben unerwünschte Personen aus dem Weg zu räumen, hinter uns gebracht. Die Hardliner wie Boco Harram oder der IS sind dabei den Rückschritt in die Zeit der Neandertaler vorzubereiten, allerdings nehmen sie dabei hocherfreut die militärischen Neuerungen an, um möglichst schnell, möglichst viele Menschen zu „überzeugen“, anstatt mit der Keule oder dem Nudelholz ausgestattet, wie damals üblich, sich dem Zweikampf zu stellen. Verlogenes Pack!

Abu Dhabi

Abu Dhabi

Ich weiß auch, dass das Lebensmotto in diesen Regionen „Insha’allah“ heißt, was so viel wie: „So Allah will“ bedeutet. Ein Fatalismus, der das Schicksal so annimmt, wie es sich zeigt. Gott lenkt das Geschehen! Dieser Aspekt zieht sich durch das komplette Leben, und soll uns zeigen, dass in dieser Gesellschaft die Schuldfrage oder das Übernehmen der persönlichen Verantwortung nur bedingt eine Rolle spielt. Ob das gut oder schlecht ist? Es steht mir nicht zu das zu beurteilen und ich werde es auch nicht verurteilen, denn meine Lebensdevise beinhaltet einen ähnlichen Satz („Alles hat einen Grund!“) mit einem Unterschied. Ich lege meine Entscheidungen und das Geschehene nicht in die Hände Gottes, aber wenn denn etwas nicht so verläuft wie geplant, dann bedeutet das für mich: „Was soll ich daraus lernen?“ „Was ist mein Anteil an diesem Ausgang?“ „Hätte ich etwas anders machen können?“ Sehr schnell wird dann klar, wo der Haken liegt und in den meisten Fällen hätte ich den Verlauf vielleicht doch beeinflussen können. Eine ganz einfache und sehr lehrreiche Respektive, sofern man nicht in Selbstmitleid, Depression und „ach, ich bin so dumm“, „mir gelingt nichts“, „immer wenn ich, dann ….“ verfällt. Also nicht aufregen, meckern, schimpfen oder gar einen Schuldigen suchen. Das bringt gar nichts, ist nur ein Verschieben der Verantwortung und Schuldfrage, nichts anderes als „Insha’allah“ zu sagen.

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Öl – das schwarze Gold

Die Tierwelt in der Golfregion kann trotz all der Ölquellen, Bohrungen und Förderungen noch an einigen Plätzen beobachtet werden. In Muscat im Oman kann man von einer Dhau aus Delphine beobachten oder in einem der großen Schildkrötenreservate Schildkröten bei der jährlichen Eiablage bzw. die Jungtiere bei Wettlauf um ihr Leben zum Meer beobachten. In Bahrain lebt noch eine kleine Population von Dugongs – Gabelschwanzseekühen, die allerdings sehr störungsanfällig sind, jedoch auch neugierig. Hier befindet sich auch der Al-Areen Natur Park, in dem die arabischen Einhörner, die Oryxantilopen eben. Paläarktische Vögel halten sich zum Überwintern in dieser Gegend auf und locken Ornithologen aus aller Welt an. Man muss kein Naturforscher oder Tierfotograf sein, um Klippschiefer oder Gazellen in der Wüste zu sehen, wenn man sich auf einen Mehrtagesausflug durch oder in die Wüste aufmacht. Die jemenitische Insel Sokotra bezeichnet man auch als das „Galapagos des Indischen Ozeans“. Nicht zu vergessen Wadi-Wanderungen, Kamelreiten oder Schnorcheln und Tauchen, um die Unterwasserwelt näher kennen zu lernen.

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lieber trinken, statt besichtigen

Aber da wären wir wieder bei den Touristen, die zwar die Welt bereisen wollen, um sagen zu können: „Da war ich auch schon!“, dann aber im Hafen von XY an Bord bleiben – vielleicht mal den Fuß ins Terminal setzen, um eine Postkarte oder einen Magneten zu kaufen –sich danach aber sofort wieder im Gewirr der Liegestühle der Sonne aussetzen. Wer aus dem Süden kommt und nicht gebräunt ist, hatte keinen erfolgreichen Urlaub. Und erst recht nach einer Kreuzfahrt! Da ist man doch ständig auf dem Wasser und jedes Kind weiß, dass die Sonne dort noch intensiver bräunt. Was zählt dagegen schon ein Bericht von Manama? Die Nachbarn wissen ja noch nicht einmal wo das liegt, geschweige denn, was man dort sehen kann.

Da frage ich mich: Warum soll ich mich halb nackt und frierend zwischen all die vom Sonnenöl speckig glänzenden Leiber legen? Mich regen die Gespräche, die dann über mehrere Liegen hinweg geführt werden auf – Mengen an Halbwissen, unglaublichen Weisheiten und Vorurteilen werden ausgetauscht. Mit viel Mühe und körperlichem Einsatz sind diese Gäste dann krebsrot, in der Hoffnung, dass sich ein Farbwechsel in braun während des Fluges vollzieht, und die Haut in Fetzen erst abfällt, wenn alle Nachbarn das Ergebnis dieser einmaligen Kreuzfahrt sehen konnten.

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Die Insel Santiago

In Praia

Auf dem Weg zum Markt

Santiago wurde als erste Insel entdeckt und weist bis heute am deutlichsten die Spuren zu Afrika auf. Es ist damit die facettenreichste Insel was die Landschaftsformen und die Bevölkerung angeht. Wir haben in der Hauptstadt Praia angelegt und hatten den ganzen Tag Zeit die Stadt bzw. Insel zu erkunden. Ich war mit Gästen auf Ganztagestour. Natürlich haben wir Praia besichtigt, allerdings darf man sich unter dem Begriff Hauptstadt und Besichtigung nicht allzu viel vorstellen. Die Stadt hat etwa 130.000 Einwohner. Die Kapverden sind erst seit 1975 Unabhängig, aber während der darauffolgenden Jahre hat sich überhaupt nichts geändert, was die Infrastruktur oder das Einkommen bzw. die Möglichkeiten der Einwohner Arbeit zu finden angeht. Erst seit Ende der 1990er Jahre tut sich was, obwohl Korruption auch hier eine der wichtigsten Einnahmequellen einer bestimmten Schicht ist, die immer reicher wird, während die Armen kaum genug zum Überleben haben.

Let's go shopping

Shopping Mall in Praia

Der Mindestlohn, vor kurzem erst eingeführt, beträgt 100 Euro/Monat! Auch auf den Kapverden kommt man damit nicht über die Runden. Was da im Moment passiert, ist nicht schön. So renovieren die Chinesen großzügiger Weise den Präsidentenpalast – was nötig war, obwohl die angeschlossene Baracke, in der die Soldaten wohnen, die den Präsidenten bewachen, es viel nötiger hätte! Dort bildet der Schimmel schon dekorative Polster, von Farbe, weder innen noch außen, keine Spur …

Militärbaracke

Unterkunft der Soldaten

Mit dieser Restaurierung haben die Chinesen sich nicht nur Rechte auf die Eröffnung von Geschäften erkauft, sondern sich auch die Vorkaufsrechte für eine vorgelagerte Insel erworben, auf der sie ein Casino errichten wollen. Was damit alles verbunden ist, kann man sich wenigstens ansatzweise vorstellen.

Unterwäsche

Neue Unterhöschen gefällig?

Zudem ist nicht ein Kapverdianer an den Baumaßnahmen beteiligt – kein Mensch hat dadurch Arbeit bekommen – die Chinesen haben ihre Arbeiter mitgebracht. Es sind Gefängnisinsassen, die schwer bewacht in Containern leben und auch keine Devisen ins Land bringen. Die Japaner haben eine Windkraftanlage errichtet, aber nicht aus christlicher Nächstenliebe, auch hier sind Rechte über und unter dem Tisch lang gegangen. Die Italiener kümmern sich um die Telekommunikation …. Ergebnis siehe oben. Die Reiseleiterin sagte, dass die Politiker gerade dabei sind das Land/ die Insel zu verschachern und sie die Menschen, die Bewohner einen Sch…dreck interessieren.

Flohmarkt

Essensstände auf dem Flohmarkt

Trotzdem ist es eine wunderschöne Insel und bietet traumhafte Strände, die nicht überlaufen sind, exorbitante Landschaften, gerade jetzt nachdem es etwas geregnet hat, Wandermöglichkeiten, ist noch nicht so überlaufen und damit auch nicht so teuer. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über angenehm bis heiß – Höchsttemperaturen um die 40° C, niedrigsten Temperaturen 18° C – Regenzeit ist von August bis Oktober, in den letzten beiden Jahren war es allerdings viel zu wenig Regen, Trockenzeit entsprechend von Dezember bis Juli. Es weht immer ein leichter Wind, so dass es auch in den heißen Monaten durchaus erträglich ist. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich, fröhlich, bescheiden und natürlich – noch!

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Da fiel mir doch wieder ein Paar auf. Schon bei der Besichtigung der Ciudade Velha, der ehemaligen Hauptstadt der Insel Santiago, wo es die älteste gepflasterte Straßen auf den Kapverden gibt, sie, die Rua de Banana und die dazu gehörenden Häuser gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Es gab eine Kostprobe des Nationalgetränkes Grogue – hergestellt aus Zuckerrohr mit mehr als 40 Umdrehungen. Es war etwas voll an diesem Stand, denn es liefen gleichzeitig drei Gruppen auf. Ich war die erste, hatte einige wenige, der bereits schon mal benutzten und teilweise ausgespülten Plastikbecher in der Hand (Ekel und Herpes) und schenkte an meine Gruppe aus. Direkt vor mir drängelte eine Plente aus einer anderen Gruppe und wollte mir permanent einen Becher aus der Hand entreißen. Konstant habe ich sie übersehen und die Becher in die andere Richtung weitergereicht.

Worauf Sie mich böse durch ihre getönten Gläser anfunkelte, und meinte ich sei unmöglich und würde sie absichtlich übersehen und ihr nichts gönnen.

„Nein, ich übersehe Sie keineswegs absichtlich! Ich weiß, dass Sie nicht zu meiner Gruppe gehören!“

„Die kommt erst dahinten!“

„Na ja, dann müssen Sie noch ein bisschen warten!“

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Nicht jeder hat Zutritt!

Sie hat sich mehrere Proben ergattert und dann auch mehrere Flaschen gekauft. Was schließe ich daraus? Kategorie Egoist und viele mit Alkohol abgetötete Hirnzellen. Sie fiel mir am nächsten Tag gleich nochmal auf. Im Treppenhaus bildete sich vor der Gangway nach Ankunft und Freigabe des Schiffes eine Schlange. Alle stellten sich einfach hinten an, nur ein Paar nicht. Sie marschierten ohne Scham, ohne Bedenken an der gesamten Schlange vorbei und drängelten sich in die erste Reihe. Das muss man sich mal bildlich vorstellen! Da stehen rund 70 Menschen brav in einer lockeren Schlange im Treppenhaus und von oben kommen zwei Menschen, die das total ignorieren und sich über zwei Etagen an allen vorbei drängeln, um von dem Crowd controler gebremst direkt davor stehen zu bleiben.

Praia Stadt

Fussgängerzone

Zwischen Freigabe des Schiffes und dem wirklichen Rausgehen dürfen liegt manchmal eine Zeitspanne von zehn Minuten. Wenn dann endlich alle Leinen dran sind, die Behörden an Bord und die Motoren abgeschaltet sind, ertönt das Ding Dong und der Kapitän eröffnet seine Ansprache mit: „Soeben mit dem Ding Dong war es genau …. Uhr und die Behörden haben das Schiff zum Landgang frei gegeben.“ Aber nix da, der Crowd controler bleibt noch geschlossen, denn erst wenn die nun folgende Ansprache des Kapitäns beendet ist (nach etwa zehn Minuten), wird die Gangway wirklich geöffnet. Das regt einige Wartenden tierisch auf. Die Gäste werden vergewaltigt seinem Google Wissen und seinen ach so witzigen Geschichtchen, die er nun großzügig preisgibt, zu zuhören. Es ist eine Ausflugspräsentation und ein landeskundlicher Vortrag ebenso wie z.B. Hinweise, dass heute vor xy Jahren die Sendung mit der Maus das erste Mal ausgestrahlt wurde oder der erste Media Markt in Deutschland eröffnet wurde – „und da wird sich unser Offizier auf der Brücke freuen, denn es war in München“. Er selbst wird heute ausnahmsweise auch mal um 13:15 Uhr auf Ausflug gehen und zwar auf TTT XX, da wird er dann folgendes sehen bzw. machen …. damit er mal mehr als nur das Hafenbecken sieht, alle Gäste mögen einen Hut mitnehmen und sich eincremen, weil die Sonneneinstrahlung …….. und sie sich sonst einen Sonnenbrand auf der Stirn holen werden wie der Staff-Kapitän gestern.

ehemaliges Hafenbecken

Alte Festung

Und wenn man dann denkt: Jetzt, Geht’s los! – zählt er noch die Sehenswürdigkeiten der Insel auf, für all diejenigen, die noch nicht wissen was sie heute machen sollen, egal, ob die Sehenswürdigkeiten der Insel in mehr als 100 Kilometer Entfernung liegen oder direkt um die Ecke – ach, und wenn Sie dann doch lieber an Bord bleiben möchten, da bietet unsere nette XVX heute um 10:45 h Shuffleboard an oder Sie gehen zum Tanzkurs, der findet um blabla in der Bar statt. Dann endlich wünscht er allen noch einen wunderhübschen Tag mit fröhlichen, sonnigen oder windigen Erlebnissen (je nach Wetter) und, dass alle auch ja frisch gestärkt und mit wunderhübschen Eindrücken zurück an Bord kommen …… Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!

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Der Kerl ist sehr jung, was ja nichts mit seinen nautischen Fähigkeiten zu tun hat. Ich frage mich nur warum er sich in Bereiche begibt, die absolut nichts mit seinen Aufgaben zu tun haben – Ausflüge anzupreisen, Leute ans eincremen erinnern bzw. daran alle Wertsachen an Bord zu lassen …. In meinen Augen verliert er mächtig an Souveränität und Professionalität. Ich kenne einen Kapitän, der noch länger (etwa 15 bis 20 Minuten) braucht, um das Schiff endlich zum Landgang frei zu geben. Das wird mit Sicherheit bei ihm auch bald so lang sein. Er hat sich schon während ich an Bord bin von anfänglichen fünf Minuten auf zehn Minuten gesteigert. Wenn er diese Route nun ein paar Monate fährt, kommen immer mehr Weisheiten und Informationen hinzu. Die Gäste müssen sich melden, wenn ihnen das stinkt. Aber es gibt ausreichend Menschen, die den Herrn Kapitän Gott gleich stellen und seinen wertvollen und liebevollen Worten voller Hingabe lauschen. Ich reg mich darüber gar nicht mehr auf, sollen das doch andere machen. Ich versuche weg zu hören, obwohl das schwierig ist, seine Stimme ist laut und wird über die komplette Lautsprecheranlage des Schiffes gebracht, von der Brücke eben.

 

Immer noch auf den Kapverdischen Inseln

Rückblick

Blick zurück

Schon merkwürdig wie unterschiedlich die Gäste zusammengesetzt sein können. Mittlerweile sind wir in der zweiten Runde angekommen, das heißt, wir fahren die gleiche Strecke ein zweites Mal, allerdings mit neuen Gästen. Die „ersten“ Gäste sind in Gran Canaria nach zwei Wochen ausgestiegen und rund 1.000 Menschen aus allen Teilen Deutschlands, Österreichs und auch der Schweiz haben sie abgelöst. Ich esse mit den Gästen, und da freie Tischwahl ist, sitze ich jeden Morgen bzw. Abend mit anderen Gästen zusammen. Während der ersten Reise ist vielleicht drei-/vier Mal ein nettes Gespräch zustande gekommen. Die Gäste saßen schweigen nebeneinander und haben wenn überhaupt mit dem Partner vorsichtig kommuniziert. Schön leise und dicht am Ohr, damit auch keiner sonst etwas mitbekommt. Auch auf Fragen, um mal ein Gespräch zu installieren, haben sie nur vorsichtig und einsilbig geantwortet. Jetzt, gab es noch nicht eine Mahlzeit ohne eine angeregte Unterhaltung. Das ist richtig erfreulich! Überhaupt habe ich den Eindruck, dass diese Mischung sehr viel interessierter und aufgeschlossener ist. Ich habe sogar einen freien Stuhl auf dem offenen Deck gefunden. Es gibt tatsächlich Reisende, die den Stuhl nicht den ganzen Tag belegen, sondern ihr Handtuch mitnehmen, wenn sie denn zu einer Aktivität oder zum Essen gehen. Sehr erfreulich!

Ruhe

Im Windschatten

Es gibt im Leben Momente oder Äußerungen, die für immer haften bleiben. Manchmal weiß man sofort: Das ist ein solcher Moment! Manchmal ist es Jahre später und dieser Augenblick wird aus der schemenhaften Erinnerung plötzlich klar und deutlich. Und vor allen Dingen wird ersichtlich, dass er einen Menschen geprägt hat und im Prinzip immer präsent war. Ich hatte gestern ein solches Erlebnis und ich wusste sofort, dass diese Aussage mich beschäftigen würde. Wie oben schon erwähnt, laufen wir ein weiteres Mal alle Ziele an. So hieß unser Hafen gestern Mindelo auf São Vicente/Kapverden. Ich war mit 24 Gästen auf einem Halbtagesausflug, der da hieß „Kleine Inselrundfahrt“.

Praia Grande

Strand so weit das Auge reicht

Es war eine schöne Abwechslung, die Gäste waren fast alle ziemlich nett, den Reiseleiter konnte ich gut verstehen und wusste, was er mir sagen wollte. Bei Zahlen, Mengen oder ähnlichen Angaben hatte er allerdings ein noch massiver gespaltenes Verhältnis als ich. Auf die Frage wie hoch die Arbeitslosigkeit sei, glaubte er so 14%. Ich weiß aus der Literatur, dass es zwischen 30 und 40 % sind. Den Kaufpreis eines Ferienhauses gab er mit umgerechnet 300 EURO an, was auch auf den Kapverden nicht stimmen kann. Dinge waren hoch oder sehr hoch, weit oder nicht so weit, lang oder ganz lang … Na ja, im Prinzip ist es für einen Touristen auch nicht wichtig, ob ein Berg 750 Meter hoch ist oder nur 400 Meter, solange er sich nicht selbst täglich auf den Weg nach oben machen muss, um seine Felder zu bearbeiten – oder? Und wenn man aufsteigen muss ist es auch wurscht!

Monte Verde

Monte Verde – Anbaugebiet für Mais

Aber ich war bei diesem speziellen Moment.

Am Nachmittag bin ich in die Stadt gegangen, um noch das eine oder andere Geschenk oder Mitbringsel zu besorgen. Nach getaner Arbeit habe ich mich auf den Platz am afrikanischen Markt, also mitten ins Getümmel der Einheimischen gesetzt. Es war schon später Nachmittag und eine richtig schöne Stimmung mit warmem Licht, das kurz davor ist bläulich zu werden, viele Menschen, die sich abends zum Plaudern treffen, bunt gekleidete Marktfrauen, die ihre übrig gebliebenen Waren in Schüsseln auf dem Kopf wegtragen, Mütter mit Lockenwicklern im Haar und kleinen Kindern, rumlungernde Jugendliche, die Hunde und Katzen des Ortes, die auf Essensreste warten ….. Kurz um, es war richtig afrikanisch, und ich habe es in vollen Zügen genossen! Ich saß an einem winzigen Kiosk, der zwei Tische aufgestellt hatte und kam mit dem Besitzer und seiner Frau ins Gespräch. Der Besitzer George kam nämlich aus Spanien, weshalb wir uns verständigen konnten. Kreolo ist überhaupt nicht mein Ding. Es hört sich ab zu wie Französisch an, dann wieder ähnlich dem Portugiesischen, zwischendrin aber eben total fremd an. Wir unterhielten uns also über seinen Werdegang und das Leben bei uns in Deutschland, als plötzlich seine Frau, die aus Mindelo stammt, sagt, dass das Leben auf den Kapverden sehr ruhig ist und ohne Probleme.

Auf dem Markt

Marktszene

Und das war der Moment, in dem mir so viel durch den Kopf ging. Da musste ich erst einer alten, armen und doch so glücklichen Frau begegnen, die mich an das Wesentliche erinnert. Wenn ich da bloß an die gekürzten Nachrichten, die wir an Bord zurzeit nur erhalten können, denke, wird mir schlecht. Sicherlich ist die Lage nicht einfach und auch hier an Bord gibt es unter den Gästen Personen, die das Handeln Merkels für verfassungswidrig halten, aber müssen wir uns wirklich so verinformieren oder überinformieren lassen? Ist es wirklich nötig, dass nun die „am meisten gefährdeten Orte der Welt“, was einen Terroranschlag angeht, veröffentlich werden? Was bezwecken die Medien damit? Angst machen?! Die Hälfte der Deutschen wird doch erst einmal diese Plätze, seien es nun Eiffelturm, Petersplatz, Pisa oder Sagrada Familia, meiden. Damit ist genau das erreicht, was diese Terroristen bezwecken wollen – ANGST machen, sich ducken und ergeben. Die werden sowieso an Orten und in Momenten zuschlagen, an denen man gar nicht damit rechnet, wenn man ihnen nicht vorher Einhalt gebietet. Ich bin keine Politikerin, und ich werde mich hüten irgendeinen weisen Vorschlag zu machen, dazu habe ich gar nicht ausreichende Kenntnis und kenne mit Sicherheit ganz viele Hintergründe, die Verfassung, die versteckten Gefahren oder die Verantwortlichkeiten nicht ausreichend genug.

Abendstimmung

Am Ende des Tages

Wenn ich jetzt mal versuche aus der Geschichte zu lernen, was ich unserer Gesellschaft oft vorwerfe, dass wir es nicht tun, dann erinnert mich das an die Piratenüberfälle im 16. und 17. Jahrhundert – Sir Francis Drake und Konsorten. Überall da, wo es etwas zu holen gab, wo die Wirtschaft, aus welchen Gründen auch immer, blühte, tauchten diese vom König/Staat oder selbst autorisierten Terroristen auf und plünderten, brandschatzten, misshandelten und töteten im Namen des Königs! Was bitte hat sich bis heute an diesen mittelalterlichen Zuständen geändert? Ja doch, die Art der Überfälle – sind aber noch immer überraschend, sind trotzdem heimlich, heimtückisch und was die Waffe betrifft, die sind zwar neuzeitlicher, aber damals wie heute für viele Menschen tödlich. Damals wie heute werden Menschen versklavt, entmündigt, gedemütigt …. Und wir schauen schon seit Jahrzehnten zu und beteiligen uns sogar daran.

„Nein, für uns Europäer gilt das nicht – und für mich persönlich schon überhaupt nicht!“

Falsch! Ich denke an Kinderarbeit, weil Geiz geil ist! Ein T-Shirt für 3.99 EUR kann nur in Indonesien, China oder Bangladesch hergestellt worden sein, und inzwischen sollte jedem halbwegs intelligenten Menschen offensichtlich sein, dass das nur mit Hilfe von allerbilligsten Arbeitern möglich ist – Kindern. Oder all die Frauen aus den Ländern dieser Welt, die unter falschen Versprechungen in die reichen Industriestaaten gelockt werden und sich dann prostituieren müssen. Anschaffen für die Transportkosten und die Unterbringung – das ist nichts anderes als Sklaverei – und wir beteiligen uns daran! Oder warum verdienen sich die diversen Zuhälter weiterhin eine goldene Nase in den Rotlichtvierteln?

ohne Worte

Das Bild braucht keine Beschriftung

So das musste jetzt auch mal sein. Schließlich haben wir Meinungsfreiheit und gerne diskutiere ich mit Euch darüber. Das sind schließlich nur meine Ansichten. Ich lebe nicht im Wolkenkuckucksheim und gehe davon aus, dass nur ich Recht habe und die Weisheit mit Löffeln gefuttert habe. Aber die Meinung eines jeden entspringt dem persönlichen Werdegang, aus den eigens geprägten Erlebnissen, der Erziehung und der Erfahrung. Keine Bedenken, ich gestehe jedem Mann, jeder Frau seine/ihre eigene Meinung und Ansicht zu.

In Mindelo fiel mir noch etwas auf. Der Umgang mit den Kindern! Es ist für uns erst schon einmal schwer zu durchschauen welche Kinder zu welcher Mutter oder welchem Vater gehören. Da gibt es Kleinteile mit blonden Locken und schwarzer Haut, aber auch schwarz gelockte mit richtig heller Haut, glatte schwarze oder blonde Haare mit dunkler Haut – also alles gemischt. Eine Mutter kann also ein blondes und ein schwarzes Kind haben. Das ist durchaus keine Seltenheit. Alle Kinder sehen proper und gesund aus. Die sitzen mitten drin – überall – auf dem Boden, ein Hund kommt vorbei, schnuppert auf dem Kopf, ein anderes Kind stoppt bei einem solchen Winzling, spricht kurz mit ihm, streichelt es und hetzt wieder seinen Spielkameraden hinterher. Alles sehr unkompliziert. Auch was das Essen angeht – da macht man sich keine Gedanken, was jetzt wohl besser sein könnte – Muttermilch, Ziegenmilch oder Kuhmilch – es gibt das, was da ist. Und wenn das Kleinteil die Muttermilch nicht will, die Mutter aber noch mit anderen draußen sitzen möchte? Na gut, dann bekommt es einen Donut in die Hand gedrückt und nuckelt friedlich daran rum. Ein anderer Winzling, ebenfalls ohne Zähne, saugte genüsslich eine Papaya aus der Schale. Beneidenswert! Ich persönlich wäre auch nie auf die Idee gekommen einem Säugling eine Papaya in die Hände zu drücken, aber ich hatte auch nie eine frische, gerade vom Baum gepflückte Frucht zur Hand. Einen Arzt können die meisten sich nicht leisten, also wird auf den gesunden Menschenverstand vertraut, die Heilkraft und das Wissen über die diversen Pflanzen und Kräuter und auf die Erfahrungen der anderen Mütter zurückgegriffen. Schade, dass wir in Europa nicht mehr so vorbehaltslos agieren können. Wir sind ängstlich geworden und so sehr abhängig von der allgemein gemachten und gerade modernen Meinung – natürlich nach neusten wissenschaftlichen Untersuchungen mit angehängter Statistik. Da wären wir wieder bei der Überinformation. Auf allen Kanälen der Medienwelt versucht man uns dann klar zu machen, dass …… z.B. Muttermilch doch nicht so gut ist, weil sehr belastet. Du lieber Gott, was hat der Embryo während seiner Entwicklung im Mutterleib gemacht? Da ist er neun Monate lang mit belasteten Stoffen in Kontakt bekommen. Zwei Jahre später wird dann wieder das Gegenteil wissenschaftlich bewiesen. Ich sage dazu nur: „gesunder Menschenverstand“.

Markt auf dem Kopf

Topf zu verkaufen

Auf der anderen Seite muss man auf den Kapverden mit in Betracht ziehen, dass es ungeheuer viele Kinder gibt. Mehr als 20% der Bevölkerung ist jünger als zwölf Jahre und 60% jünger als 35 Jahre alt. Bei drei, vier oder mehr Kindern, die meist von verschiedenen Vätern stammen, die keinen Unterhalt zahlen, muss die alleinerziehende Mutter sehen wo sie bleibt und kann gar nicht viele Sperenzien machen was die Ernährung angeht.

trommelnder Junge

Knochen als Trommelstöcke

Die Kapverdischen Inseln – São Vicente und Santiago

Centro Nacional de Artesano

Blick aus dem Kunsthandwerksmarkt in Mindelo

Die zwei folgenden Seetage gingen relativ schnell rum. Für die Gäste war alles neu und die Orientierungsphase war noch nicht abgeschlossen, so dass ich tatsächlich auf dem unteren Promenadendeck einen freien und auch sonnigen Platz fand. Auf dem Sonnendeck tummelten sich die unbekleideten Menschen – denn wir befinden uns ja südlich des Weißwurstäquators – dicht an dicht. Sie schieben ihre Liegestühle, die übrigens morgens ordentlich und mit einigermaßen gebührendem Abstand vom Personal aufgestellt werden, so dicht, dass man noch nicht mal sein Bein zwischen zwei Liegen stellen kann und kaum aufstehen kann. Aber zu einer Kreuzfahrt gehört auf dem Sonnendeck zu braten und gebräunt nachhause zu kommen, auch wenn man sich zunächst in dicken Decken verstecken muss. So macht man Nachbarn und Freunde neidisch – sich im November braun gebrannt zu zeigen. Ich frage mich immer wofür? Damit ich, meine Rundumbräune im Rollkragenpullover und langen Jeans versteckt, zumindest mein Gesicht wahre? Ich finde das so langweilig sich in die Sonne zu knallen und dort zu rösten, beschallt von Animateuren und Amateuren und umgeben von anderen Menschen mit denen ich mich noch nicht einmal unterhalten kann, weil es viel zu laut ist. Oder auch unterhalten will bzw. kann, wenn ich sehe, welche „Literatur“ sie auf dem eingeölten Bauch liegen haben. Titel wie: „Du musst Dich fern halten von Bianca!“ oder „Zweifelndes Herz“, „Wieder gefundenes Glück“, „Junge Liebe“ oder auf dem Nachbarbauch „Alte Liebe“ – damit hier niemand diskriminiert wird! Vorträge werden zwar auch gehalten, doch die Mehrzahl der offerierten Vorträge haben Verkaufszweck.

DSC00797Ausflüge werden für jeden Hafen extra präsentiert und am nächsten Tag auch noch mal eine Wiederholung. Ich weiß, dass die Ausflugsabteilung bestimmte Margen vorgegeben bekommt. Erst wenn sie diese Verkaufszahlen erreicht, bekommen die Crewmitglieder 100 Prozent ihres Gehaltes. Ganz klar, dass sie dann hinterher sind Ausflüge zu verkaufen – auch wenn von vorne herein klar ist, dass der Gast sich ärgern wird. Würden die Ausflüge nur ein wenig anders präsentiert werden – vor allen Dingen mit mehr Enthusiasmus der Vortragenden – und weniger Vokabeln wie „cool“, „chillen“, „shoppen gehen“, „rum düsen“, wäre es für den einen oder anderen Gast mehr eine Alternative zu eigenen Erkundung.

Blck nach vorn

Ausblick

Die Meckereien der Gäste sind auf so einem großen Schiff allerdings viel seltener. Zum einen treffen sich die Menschen nicht so häufig, es sei denn sie sind zusammen angereist, zum anderen ist es schwieriger jemanden zu erwischen, bei dem man sich beschweren kann. Klar, erst einmal bekommt die Rezeption den ganzen Ärger ab, aber bis sich dann der entsprechende Ansprechpartner beim Gast meldet, hat der sich schon abgeregt und sich vieles relativiert oder wurde von anderen schönen Erlebnissen abgedeckt. Das hat natürlich auch etwas für sich! Dadurch, dass die Gäste sich zu den Mahlzeiten immer wieder neu sortieren, weil sie sich selbst Plätze in den Restaurants suchen, kommt es viel seltener zum gegenseitigen Aufhetzen und sich über Tage hinziehendes Mosern und Meckern.

Es wurde jeden Tag wärmer, die Bekleidung weniger, die Stimmung war gut und die Vorfreude auf die Kapverdischen Inseln, für die meisten Gäste der erste Besuch, immer größer. Im Prinzip sind die Kapverden „Afrika für Anfänger“. Hier ist es möglich, zumindest im kleinen Rahmen, Afrikanisches Flair zu genießen oder kennen zu lernen und trotzdem auf europäischen Komfort nicht verzichten zu müssen. Wobei Mindelo auf São Vicente wesentlich europäischer und komfortabler ist als Praia, die Hauptstadt auf der Insel Santiago ganz im Süden. In den letzten Jahren hat sich ungeheuer viel getan auf den Inseln, die sich alle deutlich voneinander unterscheiden. Wer eine Reise dorthin plant, sollte mindestens zwei der Inseln näher in Augenschein nehmen. Alle Inseln sind gut mit Fähren zu erreichen und bieten in bescheidenem Masse bis hin zu ****Sterne Unterkünften jede Form der Übernachtungsmöglichkeit an. Noch ist es relativ preiswert auf den Inseln, was sich aber mit Sicherheit in den nächsten Jahren ändern wird.

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In Mindelo wurde eine Hafen-Promenade mit Designergeschäften eingerichtet, die ähnlich wie in afrikanischen Städten bewacht und abgeschirmt ist. Hier kann auch der vorsichtige Gast in aller Ruhe und mit dem gewohnten Standard seinen Kaffee genießen, hat einen Blick auf den Torre de Belem und kann sich dabei sogar in einem Pool aalen oder sich auch auf einer der Sonnenliegen chillen – um das Wort auch mal zu benutzen. Akzeptiert werden übrigens Euros, zumindest in solchen Lokalitäten – besser ist es auf jeden Fall kapverdische Escudos für Postkarten, andere Kleinigkeiten oder auch einen Kaffee zwischendurch zu haben. Es gibt viel zu erleben bzw. zu sehen in Mindelo und Umgebung. Den oben schon angesprochenen Torre de Belem – stimmt, es ist eine Nachahmung des gleichnamigen Turmes in Lissabon.

wie in Lissabon

Torre de Belem

Nachdem die Engländer weg waren und die Inseln ihre Unabhängigkeit hatten, wollte man in der Salazar-Regierungszeit den portugiesischen Einschlag auch nach außen demonstrieren und errichtete einen Nachbau, der direkt neben dem lokalen Fischmarkt steht. Der Fischmarkt (Mercado de Peixe) ist in der Tat nur etwas für abgebrühte und vor allen Dingen Leute deren Geruchssinn nicht mehr ganz so gut ist. Ich frage mich immer wieder, wieso die Menschen nicht tot krank werden nach dem Genuss dieses Fisches, der einige Stunden in der Sonne verbringt und auch von Fliegen übersät sein kann, gerade wenn ihn die Frauen an den Straßenecken verkaufen. Zu finden ist dort Thunfisch, hauptsächlich Gelbflossenthun, aber auch Schwertfisch oder Muränen. Einen Besuch lohnte früher die zweistöckige Markthalle mit ihrem reichhaltigen Angebot an Obst, Gemüse und dem Duft der diversen dort angebotenen getrockneten Kräuter. Inzwischen sind nur noch wenige Marktstände besetzt und die obere Etage, in der sich kleine Musikläden und Boutiquen befanden, ist jetzt ganz vereinsamt. Ein typisches Mitbringsel für alle, die die scharfe Küche lieben, ist Piri-Piri. Aus winzigen Chilischoten wird wird eine sehr pikante Paste/Pulver/Öl hergestellt.

Die alte Kirche

Igreja Nostra Senhora de Luz

Auf dem Praça Estrela befindet sich der afrikanische Markt. Im Jahr 2000 hat man hier feste Marktstände geschaffen, in den die afrikanischen Händler ihre zum großen Teil handgefertigten Artikel anbieten. Sehenswert sind die mit den typischen Azulejos (den blau-weißen Kacheln) verzierten Wände, die verschiedene Ansichten von Mindelo zeigen. Es gibt noch so viel mehr, doch ich denke, das reicht! Fahrt hin und schaut es Euch an – es lohnt sich! Außerhalb warten der Monte Verde, Dünenversteinerungen, Basaltsäulen, Baia das Gates – ein Traumstrand, der alljährlich Austragungsort verschiedener Konzerte ist und in der Musikwelt international bekannt ist.

Kolonialhäuser 5

Kolonialhäuser

Santiago ist die afrikanischste der Inseln – sowie man das Hafengelände verlässt, ist der Besucher ein sehr begehrter Gast. Zig Taxifahrer und Guides bieten ihre Dienste an und lassen kaum Zeit zum Antworten. Ich habe mich zu Fuß auf den langen Weg in die Stadt Praia gemacht. Die Hafenpromenade ist im Bau und entsprechend musste ich über Steine steigen, an Arbeitsmaschinen vorbei, dem frischen Teer ausweichen …. – in Deutschland wären Fußgänger in solchen zum Teil ungesicherten Baustellen undenkbar. Aber es geht doch – hat nicht jeder von uns selbst für die eigene Sicherheit Sorge zu tragen? Ich denke ja! Dann muss man halt aufpassen und nicht blickverzückt durch die Gegend laufen. Dann muss man eben die Füße anheben und nicht davon ausgehen, dass am anderen Ende der Welt alles behindertengerecht gepflastert und barrierefrei ist.

„Nein, wie das hier aussieht!“ „Das ist aber schlecht organisiert!“

Auf die Frage was denn schlecht organisiert sei – gibt es keine Antwort. Der Deutsche muss erst mal meckern, weil es nicht so ist wie zuhause oder nicht so wie er es erwartet hat. Ich frage mich immer noch und auch immer wieder, warum solche Menschen in die entferntesten Gegenden der Erde reisen, wenn sie nicht akzeptieren wollen oder können, dass es dort so ist wie sie es vorfinden, sondern möchten, dass es ihren persönlichen Vorstellungen entspricht. Sollen sie doch nach Bad Wörishofen reisen! Da haben die Busse Glas in den Fenstern und eine Klimaanlage, die niemals zu kalt eingestellt ist! Da zieht es auch nicht in den Bussen! Die Bürgersteige sind anständig gepflastert, haben immer und überall Rampen, es kleben auch keine Kaugummis auf dem Pflaster, besprühte Wände gibt es nicht und Bettler oder Arbeitslose lungern auch nicht faul bei 35 Grad im Schatten rum! Selbstverständlich gibt es auch unter den Gästen Menschen, die fasziniert sind, das alles mit offenen Augen aufnehmen und glücklich darüber sind, das alles zu erleben.

Wieder on tour und on air

 

Im Hafen von San Sebastian / La Gomera

Im Hafen von San Sebastian / La Gomera

Vielleicht hat der Eine oder die Andere inzwischen meine Blog-Einträge vermisst. Richtig – ich habe mich lange nicht gezeigt. Es hat sich ungeheuer viel ereignet und irgendwie fehlte mir die Zeit. Die Reise durch den Norden Europas ist natürlich inzwischen beendet, ebenso wie mein Einsatz auf dem Schiff. Das Schiff ist auf dem Weg in den südlichen Teil unserer Erde, und die Reisenden erfreuen sich wärmerer Temperaturen und Sonnenschein satt, sowie sie das äquatoriale Regenband unterquert haben. Ich habe Urlaub – gehabt! Wie üblich bei Dauerreisenden nutzt man die freie Zeit nicht ausschließlich zur Erholung! Nein, ich hatte jede Menge Besuche nachzuholen. Mutter, Vater, Bruder, Schwester, Kinder und Freunde warteten – hoffentlich schon sehnsüchtig. Es gibt allerhand zu erzählen und berichten trotz der schriftlichen Informationen, die die tatsächlichen Erlebnisse nur ansatzweise wiedergeben. Nichts ersetzt eine Begegnung von Auge zu Auge und das persönliche, lebhafte Erzählen der Geschehnisse. Ich war noch im September zum Viehscheid im Allgäu, habe mir Anfang Oktober ein anderes Unternehmen angeschaut und war so für ein paar Tage von Passau bis nach Budapest auf der Donau unterwegs und habe schließlich zum Fachsimpeln und Vögel beobachten die Insel Helgoland unsicher gemacht. Dann sollte eine gemütliche Phase beginnen – ausruhen, lesen, viel spazieren gehen, mit Freunden treffen oder Fahrrad fahren – doch wie so oft im Leben, kam es anders als gedacht!
“Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, hab’ mich niemals deswegen beklagt. Hab’ es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt ….“ Kurzum ich bin wieder auf einem Schiff und im Süden in und auf Fahrt. Diesmal ist es ein größeres Schiff, nur größer, denn im Vergleich zu den großen Kreuzfahrtschiffen mit 3.000 oder 4.000 Gästen, ist es noch immer ein Zwerg. Die Destinationen liegen im Atlantik – die Kanarischen Inseln und die Kapverden. Schöne Ziele für den November, der ja in unseren Breiten mehr grau, neblig und diesig ist, als sonnig und warm.

Blick auf Teneriffa

Blick auf Teneriffa

Start war in Las Palmas / Gran Canaria. Hier erlebten alle, die aus dem Flieger stiegen, erst einmal einen Wärmeschock. Aus dem kalten Deutschland mit nächtlichem Raureif fanden wir uns mit Koffern im Schlepptau und dicken Jacken im Arm den Transfer zum Schiff suchend bei 26 C Grad im Bus wieder. Der hatte sich aufgrund der einstündigen Verspätung des Fluges in der Sonne wartend entsprechend aufgeheizt, und brachte so die Insassen richtig ins Schwitzen. Gott sein dank waren bei Ankunft die Kabinen schon alle vorbereitet und ich konnte mich kurz erfrischen, bevor ich einen Rundgang durch Las Palmas wagte. Der ganze Nachmittag stand mir noch zur freien Verfügung, was ich dann auch ausgenutzt habe. Vor allen Dingen hatte ich Hunger. Die Stewardessen halten sich ja nicht mehr mit dem Servieren von kleinen Snacks auf, geschweige denn, dass sie ein Essen reichen würden. Irgendwo kann ich es auch verstehen und kulinarische Höhepunkte, die zu Luftsprüngen führen, waren ja noch nie zu erwarten – andererseits widmet man sich ausgiebig dem Verkauf von „Sansibar – Delikatessen“. Mir kann keiner erzählen, dass eine Currywurst, die schon wochen- vielleicht sogar monatelang in einer Plastikschale auf Verzehr wartet, in der Mikrowelle erhitzt, eine Delikatesse ist, nur weil sie den Aufdruck „Sansibar“ trägt. Aber das ist nicht das Einzige womit die Menschheit sich für blöd verkaufen lässt. Zum anderen sind viele Flugreisende Stunden vorher schon unterwegs und dürften doch zumindest ein / zwei Glas Wasser erwarten. Ich habe den Eindruck auch das wird in Zukunft mehr und mehr eingestellt – zunächst begründet mit Turbulenzen oder anderen unausräumbaren Schwierigkeiten. Flüssigkeiten dürfen nicht hinter die Sicherheitskontrolle, was bedeutet, dass der Fluggast die horrenden Preise der diversen Restaurationsbetriebe zahlen muss. Ein halber Liter Wasser für 2,90 EUR, ist in meinen Augen Halsabschneiderei. Für die gleiche Flasche Wasser zahle ich in einem Gartenlokal 1,50 EUR und bekomme das Wasser einschließlich Glas, Eiswürfel und Zitrone an den Tisch gebracht. Hier wird mir ein „Holen Sie sich die Flasche da aus dem Schrank und dann bezahlen Sie hier!“ entgegen gerufen und meine Frage nach einem Glas wird mit einem Augenverdrehen beantwortet. HALLLLOOOOHHH! Für eine Tasse Kaffee verlangt man im Flughafen Düsseldorf 3,20 EUR!! Muss das wirklich sein? Dass es auch anders geht, beweisen mehrere Flughäfen auf der Welt – nein, nicht in Madagaskar oder Indien – auch in Europa, in Venedig zum Beispiel. Da kostet der Kaffee 1,50 EUR – Geht doch! Begründet wird das ganze bei uns mit hohen Mieten und Personalkosten. Verständlich! Aber beim Verkauf von nur vier Flaschen Wasser dürfte mehr als der Mindestlohn einer Stunde einer Servicekraft, die übrigens nicht mit Intelligenz und Freundlichkeit gesegnet sind, wieder drin sein. Da sind nach dem Verkauf von 30 Flaschen Wasser die Kosten für einen Tag erreicht, einschließlich der Kosten für den Einkauf. Drei Figuren stehen maximal hinter den Tresen, was die Warteschlangen an den Theken belegen, und das waren ja nur exemplarisch vier Flaschen Wasser pro Stunde. Da ist der Kaffee, ein lieblos belegtes Brötchen für 6,20 Euro und alles weitere gar nicht berücksichtigt! Jammern und klagen auf hohem Niveau – und wir, die Verbraucher, die Fliegenden, haben zwar die Wahl, kaufen oder nicht, aber wenn man Durst hat? Ein Bier für sechs Euro ist da frühmorgens keine gute Alternative. Genug geklagt! Ich kann ja mit meinem Hintern zuhause bleiben, da kann ich Wasser aus dem Hahn trinken und mache mit Sicherheit ein Superwasserschnäppchen aus garantiert kontrollierten Anbau.

 

Wir waren aber schon in der Luft, hatten schon abgehoben, ein Glas Wasser und wahlweise ein trockenes, eiskaltes Rosinenbrötchen oder eine ebenso frostige, staubige Laugenstange erhalten, nach dem sich der Abflug fast eine Stunde wegen einer Bombenentschärfung, die uns abwechselnd planmäßig als Übung bzw. notwendig und aktuell verkauft wurde. Und ich war auch schon auf dem Weg nach Las Palmas rein. Da will ich nun nach diesem Exkurs auch weiter machen.

Im Hafen von San Sebastian / La Gomera

Im Hafen von San Sebastian / La Gomera

Gran Canaria – Las Palmas

 

Gran Canaria – eine Insel der Kontraste heißt es im Reiseführer – Sonne, ausufernde Strände im Süden, grün soweit das Auge reicht im Norden, grandiose Berglandschaften im Inselinneren. Stimmt! Kann ich dazu nur sagen. Allerdings ist mir Gran Canaria trotz dieser Beschreibung nicht genug. Die Stadt Las Palmas beispielsweise ist hässlich. Zwischen vereinzelt stehenden alten Gebäuden wurden mehr oder weniger planlos neue Häuser, Wohnblocks Schuhschachteln ähnlich oder zeitlos schreckliche Einkaufszentren gesetzt. Schön ist lediglich die Uferpromenade, Playa de las Canteras, im Nordwesten der Stadt mit den diversen Bademöglichkeiten, Cafés und Restaurants – doch auch nur in der Nachsaison. In der Hauptsaison und an Wochenenden möchte ich nicht in einem der Restaurants sitzen, mein Essen genießen und dabei unbekleidete, hässliche Menschen direkt neben mir liegen haben bzw. ungeniert an mir vorbei flanieren sehen. Das war schon mehr als genug, was ich da im November zu sehen bekam. Alte Männer mit nacktem Oberkörper, schlabberiger Haut nicht nur an den Oberarmen, in Badehosen und nur in Badehosen – eindeutig die Anschaffung des letzten Jahrtausends – ausgeleiert, ausgebleicht, ohne Lycra, ohne Fassung und ohne einhaltende Wirkung. Frauen jeden Alters und jeden Formats in Leggings mit viel zu kurzen Trägertops – und hier wäre es wirklich wünschenswert, wenn die T-Shirts so ausgeleiert und schlabberig wären wie das frei gelegte und damit sichtbare Gewebe. Da kann einem wirklich der Appetit vergehen – in vielerlei Hinsicht. Ich weiß nicht? Haben diese Menschen keinen Spiegel oder keine Freunde, die ihnen sagen wie unmöglich sie aussehen? Urlaub heißt doch nicht gleichzeitig sich gehen lassen und die Klamotten der Tochter oder Enkelin auftragen oder der Badehose in diesem Jahrhundert noch einmal eine Chance zu geben.

Fußgngerzone in San Sebastian

Fußgngerzone in San Sebastian

La Gomera

La Gomera

Auf dem Weg zum Strand liegt der schon vor 100 Jahren erbaute Mercado del Puerto. Ein Blick hinein auf die Eisenkonstruktion lohnt auf jeden Fall. Es ist übrigens mit einer der längsten Stadt-Sand-Strände der Welt. Durch ein vorgelagertes Riff ist das Baden auch für Kinder relativ ungefährlich. Einen Besuch lohnen noch der Parque de San Telmo mit seinem Jugendstilpavillon, das Museo Elder – ein Wissenschafts- und Technologiemuseum, in dem man unter anderem erfährt wie Glas hergestellt wird oder die Luftüberwachung und Navigation der Schiffe funktionieren. Einen sehr schönen Blick über Las Palmas und das Meer hat man vom Aussichtspunkt Altavista aus – doch Vorsicht! Die Gegend ist etwas heruntergekommen und es ist ratsam nicht alleine zu gehen. Na ja und eine Sehenswürdigkeit will ich nicht vergessen – wichtig für ein Spanisches und damit katholisches Land – die Kathedrale Santa Ana – übrigens wurde hier eine ungefährlichere Variante des Ausblicks erschaffen. Man kann den Südturm besteigen, dort wurde eine Aussichtsplattform errichtet. Ich habe den Blick aufs Meer im wärmenden Sonnenschein in einem kleinen Restaurant auf der Uferpromenade genossen, einen tinto de verano getrunken und die obligatorischen papas arrugadas con mojo gegessen. Tinto de Verano ist ein einfacher Rotwein mit Zitronen- oder Orangensaft verdünnt (es geht auch Sprite), ein wenig Zucker und Eiswürfel – spritzig und sehr erfrischend. Papas arrugas sind kleine Kartoffeln, die mit Schale in Meerwasser gekocht werden (also salzig sind) und mit einer kalten wahlweise grünen (Koriander, Knoblauch, Olivenöl und Pinien) oder roten (Paprika, Knoblauch, Tomaten und Olivenöl)Sauce serviert werden. Ein einfaches, aber sehr köstliches Gericht, das zu fast jeder Mahlzeit dazu gehört – auf jeden Fall ein beliebter Tapa ist. Dann verlor die Sonnen auch schon an Kraft und ich musste zurück zum Schiff. Die erste Besprechung wartete auf mich. Ich sollte die entsprechenden Betreuer und Vorgesetzten kennen lernen und meinen Einsatzplan besprechen bzw. erhalten. Die Koffer und Taschen waren inzwischen auch verteilt und auf den Kabinen – also auspacken.

Das Rathaus in San Sebastian

Das Rathaus in San Sebastian

La Gomera / San Sebastian

In der kleinen Hauptstadt leben gerade einmal 6.000 Menschen. Die Stadt besteht aus zwei parallel verlaufenden Straßenzügen. Obwohl der Ort schon vor 500 Jahren besiedelt war, sind heute wenige Zeitzeugen übrig. Erste Anlaufstelle ist der Plaza de Américas mit schattenspendenden Palmen bestückt, Cafés und Restaurants und dem prachtvollen Rathaus mit den für die Kanaren üblichen ausladenden Holzbalkonen. Das Städtchen ist schnell erforscht, mehr als ein / zwei Stunden sind nicht nötig für die Besichtigung – einschließlich der Iglesia N.S. de la Asunción, die während der Piratenüberfälle im 16. und 17. Jahrhundert schwer beschädigt wurde. Innerhalb kurzer Zeit jedoch wieder aufgebaut wurde, so dass sie heute weitgehend als Bau des 18. Jahrhunderts erscheint. Der Torre del Conde (Turm des Grafen) wurde im kastilischen Stil als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Er wurde als Schatzkammer der Konquistadoren genutzt und lockte Piraten in Erwartung reicher Beute an. Doch konnte der Turm, nie eingenommen werden. Heute ist ein kleines Museum in dem Turm mit seinen mehr als zwei Meter dicken Mauern untergebracht.

Iglesial de Nuestra Senhora

Iglesial de Nuestra Senhora

La Gomera ist ein Paradies für Wanderer! Hier findet der Besucher keine Hotelhochburgen, mit Liegestühlen zugepflasterte Strände oder reges und damit auch lautes Nachtleben. Natur pur – Terrassenfelder, tiefe Schluchten, Urwälder, Nebelwald, Riesenfarne, bizarre Felsformationen, idyllische Täler – ein UNESCO Weltkulturerbe, ein kleines Paradies! Eine Insel für Naturfreunde und Individualisten.

In dieser Fußgängerzone dürfen noch nicht einmal Zulieferer fahren

In dieser Fußgängerzone dürfen noch nicht einmal Zulieferer fahren

Nach dem Aufenthalt auf La Gomera liegen zwei komplette Seetage vor uns, bevor wir unser nächstes Ziel Mindelo auf São Vicente / Kapverden erreichen.

Beim Frühstück habe ich mir die Zeit genommen den Gästen auf die Füße zu schauen. Schrecklich was ich da zu sehen bekam. Egal wie warm es ist, bei einer Reise südlicher als München sind kurze Hosen und Sandalen Pflicht. Da es aber noch nicht ganz so warm ist, stecken die Füße erst einmal in Socken aller Couleur bevor sie in die Sandalen schlüpfen. Bei manch einem Fuß ist das die optisch bessere Lösung, trotzdem sieht es Sch… aus. Outdoor Sandalen, praktische Birkenstocksandalen, Adiletten, Flip Flops oder die so wasserresistenten Gartenschuhe – kaum ein Gast an Bord trägt vernünftige Schuhe. Ich habe noch nicht in Erfahrung bringen können, warum als einzige Europäer ausgerechnet die Deutschen an diesen Hornhaut und Fußpilz freigebenden Schuhen so hängen. Was ist daran praktisch oder schön? Am Strand oder im Schwimmbad kann ich das noch nachvollziehen, aber auf einem Kreuzfahrtschiff im Restaurant? Hier gibt es keinen Sand, der sich besser aus Sandalen schütteln lässt, aber auch viel leichter reinläuft. Nass oder feucht ist es dank des Teppichbodens auch nicht. Zum Frühstück um halb acht kommt der Gast schwer bepackt mit einem riesigen Rucksack, der mit allem bestückt ist, was man während des Tages im Liegstuhl so alles brauchen könnte. Ein Julia Roman, Handtücher, eine Badehose / Bikini zum Wechseln, der Apfel und die Bananen vom Frühstücks Buffet, um die lange Hungerstrecke zwischen Frühstück und Mittagessen zu überbrücken, die Sonnenlotion und nicht zu vergessen die Sonnenbrille. Der Weg in die Kabinen ist einfach zu weit – und den Liegestuhl unbeaufsichtigt lassen? Nein, das geht gar nicht!

Ålesund

Wunderschöne Ausblicke

Wunderschöne Ausblicke

Von Ålesund aus startete der Überlandausflug nach Geiranger. Entweder mit dem Zwischenziel Trollstigen oder mit Stopp auf dem Dalsnibba. Selbstverständlich gab es auch Ausflüge in und um Ålesund. Die Stadt wurde bekannt durch Kaufleute aus Bergen, die hier einen Stopp einlegten auf ihren Wegen nach Norden. Im 19ten Jahrhundert wuchs die Stadt und wurde zum größten Stockfischverladehafen in Norwegen. Gleich zu Beginn des 20ten Jahrhunderts wütete ein Feuer mehr als 15 Stunden und zerstörte fast die gesamte Stadt. Zur damaligen Zeit waren einfache Petroleumlampen in Gebrauch. Die davon ausgehende Gefahr ist, glaube ich jedem klar, wenn man zudem weiß, dass nahezu alle Häuser aus Holz gebaut waren. So wurden in nur einer Nacht mitten im Winter 10.000 Ålesunder obdachlos. Kaiser Wilhelm II. war ein großer Fan Norwegens und half der Stadt sofort, unkompliziert und unbürokratisch mit Lebensmitteln, Baumaterial und medizinischer Versorgung – finanziert aus seinem Privatvermögen. Die Lieferungen erfolgten per Schiff, so dass die entladenen Boote der Bevölkerung vorübergehend als Notunterkunft dienten.

Die Besucher Ålesunds von heute fotografieren hauptsächlich die fast vollständig im Jugendstill gebaute Innenstadt. Diese außergewöhnliche Innenstadt in Norwegen ist auf Grund eines Erlasses nach diesem verheerenden Feuer entstanden – es waren nur noch Häuser aus Stein erlaubt. Noch heute findet man in der Stadt viele nach Kaiser Wilhelm benannte Gebäude oder Straßen. Ebenso ein Denkmal, das zu seinen Ehren errichtet wurde.

Auf jeden Fall lohnt es sich auch Ålesund einige Stunden zu widmen, den Hausberg Aksla zu besteigen und von oben die grandiose Aussicht zu genießen. Bei schlechtem Wetter würde ich in den Atlantikpark gehen – in großes Aquarium mit Flora und Fauna der Umgebung.

noch mehr Aussichten

noch mehr Aussichten

Aber ich fahre mit Gästen mit dem Bus nach Geiranger, wo uns am frühen Abend das Schiff wieder aufpicken wird. Obwohl ich zunächst gar nicht auf einen Ganztagesausflug gehen wollte, habe ich den Tag doch sehr genossen.

Wir besuchen zunächst in Stordal die alte Rosenkirche. Von außen ein unscheinbares Gebäude – eine Kirche eben – innen jedoch unglaublich reich bemalt. Die Kirche, wie sie heute zu besichtigen ist, stammt aus dem 18ten Jahrhundert. Rosenkirche

Einige Teile im Inneren der Kirche sind noch von der ursprünglich hier befindlichen Kirche aus dem Mittelalter. Die Bemalung stammt von Künstlern, deren Aufgabe es war durch die Lande zu ziehen und Kircheninnenräume zu gestalten. Da viele Menschen zu dieser Zeit nicht lesen konnten, wurden Szenen aus der Bibel an die Decken und Wände gemalt. Es gibt leider nur noch wenige dieser Kirchen in Europa.

Rosenkirche 8

Rosenkirche

Rosenkirche

Das Mittagessen nehmen wir in einem schnuckeligen kleinen Restaurant ein. Das Jordbærstova liegt mitten im Erdbeeranbaugebiet Norwegens im Valldal. Endlich mal wieder landestypische Küche. Es gab köstliche Fischgerichte, Moltebeerpudding und eben auch Erdbeeren direkt vom Feld. IMG_7907

Die „suspekte“ Qi Gong Tante war auch mit. Steht sie doch am Tisch, schaut um sich und verkündet dann im Brustton der Überzeugung: „Das ist wirklich das schönste Restaurant, was wir bisher auf der Reise durch Island hatten!“ Toll! Ich hatte ihr zu Beginn des Ausfluges, als wir an den Bussen auf die Gäste warteten, noch mitgeteilt, dass sie sich doch merken solle, dass wir uns in Norwegen befinden. So eine verstrahlte Person! Ist die so blöd oder tut sie nur so? Mir rutschte: „Das kann doch nicht wahr sein!“ raus, woraufhin sie ein Problem hatte, das sie sofort mit mir erörtern musste. Ob ich etwas gegen sie hätte? Was soll ich dazu sagen? Da fällt mir außer – „Nö, aber auch nichts Wirksames!“ nichts zu ein. Wie kann ein erwachsener Mensch mit einigermaßen Hirnsubstanz – und davon sollte man doch ausgehen, wenn jemand angeblich eine Ausbildung als Qi Gong Tante hat – sich nicht merken können wo er sich auf der Welt befindet? In Island dachte sie, dass sie in Schweden sei, und jetzt in Norwegen fand sie es toll in Island! Häähhhh?

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Die Gäste und ich wussten wo wir sind und haben die Fahrt durch Norwegens Bergwelt bis zur Adlerkehre am Geirangerfjord sehr genossen. Der Blick von dort oben in den Fjord hinein ist schon gigantisch.

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Elf Kehren ging es dann hinunter in den Ort und auf der anderen Seite wieder hinauf bis zum 1476 Meter hohen Dalsnibba. Der Berg ist über den Nibbevegen zu erreichen und wegen der Aussicht auf den Geirangerfjord beliebt. Noch im Juni türmen sich rechts und links der Straße die Schneemassen und als wir oben ankamen lag auch im September noch Schnee – schon bald kommt der neue dazu und die Straße wird wieder bis zum nächsten Jahr im Mai geschlossen.

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Vor der Ortschaft Geiranger lag unser Schiff auf Reede. Nachdem alle Gäste wieder an Bord waren, nahmen wir Fahrt auf und hatten noch eine sehr schöne Passage durch den berühmten Geirangerfjord, vorbei an den Sieben Schwestern, dem Freier und dem Brautschleier, der aber so gut wie unsichtbar war.

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Auf nach Ålesund

Silbermöwe

Silbermöwe

Der Tag beginnt mit Qi Gong und der dazu passenden Trainerin. Ich glaube ja, dass sie nie und nimmer eine professionelle Qi Gong Trainerin ist. Zu Qi Gong gehören diverse Übungen, die den Atemfluss gleichmäßig fließend in Gang setzen, die körperliche Beweglichkeit bis ins hohe Alter erhalten, Konzentration üben und zur Meditation befähigen lernen. Damit wird der Qi-Fluss im Körper aktiviert, reguliert und harmonisiert. Dass dies durch Streicheln und Hand auflegen gelingt, ist mir neu und stelle ich ganz einfach in Frage. Daher ist das für mich nicht Qi Gong, sondern ein Streichelkurs. „Qigong wird erst dann zu Qigong, wenn sich wenigstens zwei von 7 Komponenten zu einer Einheit in der Übung verbinden: Entspannung – Ruhe – Natürlichkeit – Bewegung – Atmung – mentale Vorstellung – Ton.“ (Zitat https://de.wikipedia.org/wiki/Qigong) – Na also, sag ich doch! Pilates lässt die Gäste ins Schwitzen kommen, andere frühstücken in dieser Zeit genüsslich oder lassen sich die Wetterkarte genauer erklären.

Und heute ganz neu im Programm – Aquafitness!! Hat Zementlocken Frettchen angeblich eine Ausbildung für einen solchen Kurs und bietet ihn nun endlich, nachdem sie seit Anfang Mai an Bord ist, Ende August an. Na da hat die Information, dass die Gäste gerne Abwechslung im Tagesprogramm hätten, aber lange gebraucht bis sie (die Information) sich durch die Hirnwindungen von ihr (dem Frettchen) gewühlt haben, und die Erinnerung sich durch die fest zementierten Locken nach außen und damit zur Reaktion kriechen konnten. Aber was meckere ich, eine Schwangerschaft dauert auch seine Zeit. Und das war wohl nichts anderes als eine schwere Geburt. Wir werden ja sehen, ob das nur eine spontane Sturzgeburt war, oder Aquafitness ab jetzt öfter im Programm auftaucht.

Sandorn

Sandorn

Auch einen Vortrag gab es: Leben im Ozean –Der Tierreichtum am und im Wasser. Ganz schön interessant! Am spannendsten war der Teil über die Tiefsee. Der Druck der dort unten in einer Tiefe von 4.000 bis 6.000 Meter auf die Lebewesen wirkt, ist so, als würde ein Elefant sich auf einen Menschen setzen. Doch damit nicht genug, es herrschen Temperaturen wie im Kühlschrank und, es ist so dunkel, als sei die Kühlschranktür zugefallen – Licht aus! Zu allem Überfluss ist der Kühlschrank auch noch leer. Lediglich ein paar Krümel wurden beim letzten Auswischen vergessen. Trotzdem leben in diesen extremen, ja fast unwirklichen Bedingungen viele verschiedene Wesen. Die meisten von ihnen sind grau, rot, violett und/oder haben etwas Fluoreszierendes an sich. Kleine Lichtpunkte, die wiederum anderes Leben anlocken. Faszinierend!

Hallo!

Hallo!

Noch mehr von uns .....

Noch mehr von uns …..

Viele lockte es jedoch nach draußen. Es galt sich einen Platz möglichst nah an der Quelle zu sichern. Freibier war angesagt – Frühschoppen, wieder mal einer, wie auf jeder Reise. Mit dem Frühschoppen wird den Eingefleischten deutlich, dass die Kreuzfahrt dem Ende entgegen geht. All die tollen Events wie Frühschoppen, Eisparade, Dessert Buffet, Wodka Bingo werden am Ende eingeplant, damit der Gast sie noch in Erinnerung hat, wenn er den Beurteilungsbogen auf die Kabine bekommt. Da hat der Passagier dann hoffentlich nur noch das Freibier im Gedächtnis und die schlecht organisierte Anreise oder das viel zu späte Erhalten der Reiseunterlagen oder die ausgebuchten Ausflüge längst vergessen. Auf diese Bewertungsbögen wird ganz viel Wert gelegt. Man will ja mit der Zeit gehen – Evaluation, Development, Kritikfähigkeit, Weiterentwicklung und Kundenzufriedenheit sind die Stichworte der Neuzeit. Ist schon richtig, aber dann sollte so ein Beurteilungsbogen auch so angelegt sein, dass die Beurteilung auch eine Veränderung oder Verbesserung nach sich ziehen kann. Was hilft es, wenn der Gast die Frage: Wie fanden Sie die Ausflüge? mit irgendetwas zwischen exzellent und hundsmiserabel ankreuzen kann, wenn daraus nicht hervor geht um welchen Ausflug es sich handelt. Und was toll oder schlecht war? Die Organisation, die Strecke, die Uhrzeit, das Wetter, der Reiseleiter, die Ziele, die Sehenswürdigkeiten ….. Oder Wie fanden Sie das Essen? Schlecht! Ja, war es zu kalt, zu wenig, nicht gewürzt, zu salzig, das Fleisch zu trocken …. Es gibt so viele Aspekte, so dass so ein Kreuzchen zu nichts führt. In gleichem Maße gilt das auch für die Frage: Wie fanden sie die Auswahl am Buffet? Ja, welches? Das Frühstücksbuffet, das Mittagsbuffet oder die Auswahl am Abend? Was nützt es da „exzellent, gut, befriedigend, ausreichend oder ungenügend“ anzukreuzen, wenn man nicht erkennen kann, ob zu wenig Fleisch, zu oft Huhn, zu wenig Gemüse, der Fisch kalt, die Kartoffeln zu hart oder die Nudeln ohne Salz gemeint ist?

Auf jeden Fall sind alle Crewmitglieder immer ganz gallig hinter den Beurteilungsbögen her, weil sie sich selbst natürlich bestätigt und mit exzellent bewertet sehen möchten. Der Kapitän/ Hotelmanager/ Kreuzzugdirektor ist super freundlich, kompetent, hilfsbereit und und und – ist gleich Note eins. Frage ich mich doch, ob es nicht besser ist, wenn ein Kapitän kompetent und professionell navigiert und das Schiff sicher an die Pier bringt, als unbedingt freundlich zu wirken. Haben wir ja bei Costa Concordia gesehen, was geschehen kann, wenn der Kapitän freundlich und hilfsbereit ist!

Kumulus? Nimbus? Stratus? Oder was?

Kumulus? Nimbus? Stratus? Oder was?

Auch der Nachmittag war lehrreich mit einem Vortrag über das Europawetter. Wolkenbildung, Wolkenformen wie Kumulus, Nimbus, Stratus, Zirrus oder Federwolken – ganz dünne Wolken aus Eiskristallen, die tatsächlich wie Federn aussehen. Ich kenne sie als Wetteränderungswolken. Azorenhoch oder ein Islandtief sind ausschlaggebend für das Wetter bei uns. Und wie die Namen schon sagen, das Hoch verspricht schönes Wetter und glückliche Schwimmbadbesucher, während die Isländer Tiefs schicken, die vielleicht die Herzen der Bauern höher schlagen lassen, den Normalbürger bei dauerhaft grauem Himmel eher in die Depression fallen lassen.

Schönwetterwolken

Schönwetterwolken

So ging ein weiterer Tag auf dem großen weiten Atlantik zu Ende und die Nimmermüden trafen sich in der Show Lounge zur Russischen Show – vielleicht ein Hinweis auf die sich anschließende Reise!

Leknes auf den Lofoten

Ankunft auf den Lofoten

Ankunft auf den Lofoten

Die Lofoten – wir waren vor ein paar Wochen schon einmal da, was aber nicht heißt, dass wir nicht gerne ein weiteres Mal dorthin kommen. Nicht umsonst werden die Lofoten als DAS Reiseziel in Norwegen genannt. Auch die Norweger selbst machen gerne einen Abstecher in diesen Teil ihres Landes. Eine Inselkette, die sich 150 Kilometer von Nordost nach Südwesten mitten durch den Ozean zieht. Vier große und einige kleinere Inseln liegen so dicht aneinander, dass es aus der Ferne gesehen, wie eine langgestreckte Insel aussieht. Auf einigen Inseln sind schneebedeckte Berge zu sehen.

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Doch zuvor ist der Vormittag auf See zu gestalten. Der Meteorologe an Bord wirft mit den Gästen einen Blick nach vorne. Nachdem das Wetter beim letzten Mal eher bescheiden war – Nieselregen – sieht es beim heutigen Besuch mehr als gut aus. 20 Grad und Sonnenschein lautet die Voraussage. Das ist doch fast perfekt. Auch ein Vortrag über Wale wird angeboten. Die Vesterålen, die wir am frühen Morgen passiert haben, sind ein ideales Beobachtungsgebiet für Pottwale. Auch die werden im Vortrag vorgestellt. Es sind die Rekordhalter was die Länge der Tauchgänge und die Tiefe angeht. Mehr als zwei Stunden, ja fast drei Stunden kann so ein Pottwal unter Wasser bleiben und dabei bis zu 3.000 Meter tief tauchen – unglaublich. In den Sommermonaten, wenn die weiblichen Tiere sich mit den Jungen in etwas wärmeren Gewässern aufhalten, ziehen die Männchen in den Norden. An den Vesterålen trifft die von Norden/Nordwesten kommende kalte Strömung in 2.000 Meter Tiefe auf den Kontinentalsockel und bringt nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche. Das Phytoplankton giert nach Sonnenlicht, kann sich explosionsartig vermehren, was nachfolgend das Zooplankton ebenso macht – und schon ist die Nahrungskette in Gang. Die Fische finden einen gedeckten Tisch und die Pottwale treffen auf ausreichend viele und große Kraken, die Lieblingsspeise der circa 13 Meter großen Wale. Doch in dem Vortrag geht es nicht nur um die Pottwale. Auch andere Wale kommen zu Wort – fast für jeden der Wale, sei es der Buckelwal mit den längsten und komplexesten Gesängen, die Belugas, die auch als Kanarienvögel des Meeres bezeichnet werden oder die des Finnwals, die unter Wasser bis zu 850 Kilometer weit zu hören sind – gibt es Hörbeispiele. Ein interessanter Vortrag. Jetzt hoffen wir noch mehr darauf endlich einen dieser Meeressäuger vor die Linse zu bekommen.

Traumhaft!

Traumhaft!

Die Kirche in Flakstad

Die Kirche in Flakstad

Leknes liegt am Nachmittag endlich vor uns. Das Wetter hat gehalten und ist wie versprochen traumhaft. Eine Rundreise steht den meisten Passagieren bevor. Die Landschaft ist grandios und unvergleichlich schön. Für viele Gäste „das Schönste, was ich bis jetzt gesehen habe!“ Wir besuchen die Kirche in Flakstad, früher ganz aus Treibholz gebaut, an einem der schönsten Strände der Insel Flakstadøy – wenn die Wassertemperaturen nur ein wenig wärmer wären!

Strand

Strand

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Und in Nusfjord haben alle Zeit sich in dem kleinen ehemaligen Fischerdorf umzusehen. Früher, als im Februar die Heringsschwärme und mehr als 20.000 Fischer mit ihren Ruderbooten für mehrere Monate in die Gewässer vor den Lofoten zogen, bewohnten eben diese Gastfischer die Ruderhäuschen. Heute sind sie renoviert und umgebaut und werden in den Sommermonaten vielerorts als Touristenunterkünfte vermietet. Irgendwie müssen die Lofotener ja ihre ca. 220.000 Besucher im Jahr unterbringen. Nusfjord gilt als eines der am besten erhaltenen, vollständigen Lofotendörfer.

UNESCO geschütztes Lofotendorf

UNESCO geschütztes Lofotendorf

Der Schmied in Sund

Der Schmied in Sund

Schließlich liegt der Schmied in Sund noch auf unserem Programm. Der Vorgänger in der heutigen Schmiede war sehr pfiffig und brachte seine Produkte bzw. seine Schmiedekünste in aller Mund, indem er seinerzeit dem norwegischen König während eines Jubiläums in aller Öffentlichkeit ein Geschenk machte – einen Kormoran aus seiner Werkstatt. Nun war der König gezwungen diesen Kormoran sichtbar zu postieren. Der Plan des Schmiedes ging auf, und heute ist der Kormoran ein Erkennungsmerkmal von Sund und den Lofoten. Schon vor Jahren wollte ich mir einen solchen Kormoran kaufen – aus der Sicht einer Biologin selbstverständlich – doch sind seine Objekte einfach zu teuer. Damals sollte ein solcher Vogel von etwas zwölf Zentimeter Größe 80 Euro kosten. Inzwischen sind die Tiere zwar preiswerter geworden, aber auch nicht mehr so interessant. Damals waren es freistehende Vögel, nun sind sie auf einem Stein fixiert, kleiner und kosten immer noch 65 Euro. Neeehe, so toll sind sie dann doch nicht, dass sie in meinen Augen diesen Preis rechtfertigen. Dann heul‘ ich aber auch nicht weiter. Entweder ich finde etwas so gut, dass ich bereit bin den Preis dafür zu zahlen, oder ich lass‘ es ohne wenn und laber.

Sund

Sund

Auf Wiedersehen!!

Auf Wiedersehen!!

Den Abend beschloss ein Klassisches Konzert „von Bach bis Mozart“ – ich finde der passende Abschluss für die Ohren nach einem solchen Augenschmaus.